Moviebase Rabid

Rabid
Rabid

Bewertung: 45%

Userbewertung: 95%
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Originaltitel: Rabid
Kinostart: Unbekannt
DVD/Blu-Ray Verkauf: 25.10.2019
DVD/Blu-Ray Verleih: 25.10.2019
Freigabe: FSK 18
Lauflänge: 103 Minuten
Studio: Back 40 Pictures, Media Finance Capital
Produktionsjahr: 2019
Regie: Jen Soska, Sylvia Soska
Drehbuch: Jen Soska, Sylvia Soska, John Serge
Darsteller: Laura Vandervoort, Benjamin Hollingsworth, Hanneke Talbot, Mackenzie Gray, Phillip Jack Brooks

Fällt in Filmliebhaberkreisen die Wendung "body horror", ist der Name David Cronenberg zumeist nicht weit entfernt. Vor allem in der ersten Hälfte seiner Leinwandkarriere schuf der eigenwillige Kanadier Werke, die schmerzhafte Transformationen des menschlichen Körpers bebildern. In diese Kategorie lässt sich aus seinem Frühwerk neben „Parasiten-Mörder“ und „Die Brut“ auch der Horrorthriller „Rabid – Der brüllende Tod“ einordnen, der nun eine Neuinterpretation durch die berüchtigten Regiezwillinge Jen und Sylvia Soska erhält. Die wenig zimperlichen Schwestern, die mit dem Indie-Schocker „American Mary“ ihren Durchbruch feierten, versuchen sich an einer Auffrischung der verstörenden, sexuell aufgeladenen Vampir- und Seuchengeschichte, liefern aber leider eine gelackte Arbeit mit erzählerischen Defiziten und zu wenigen unter die Haut gehenden Momenten ab.

Das Leben meint es bislang nicht gerade gut mir ihr. Bei einem Autounfall verlor Rose (Laura Vandervoort, „Jigsaw“) einst ihre Eltern. Ihr Gesicht zieren noch immer kleine Narben. Und in ihrem Job für ein Modeunternehmen wird sie von allen Seiten nur belächelt. Einzig dem Model Chelsea (Hanneke Talbot, „Ready or Not – Auf die Plätze, fertig, tot“), bei deren Familie Rose nach dem Unglück aufwuchs, liegt die verschüchterte junge Frau am Herzen. Als Rose erfährt, dass ihr Kollege Brad (Benjamin Hollingsworth, „Cult“) gemeinsam mit ihr zu einer Firmenfeier gehen will, weil Chelsea ihn darum gebeten hat, stürmt sie verärgert aus dem exklusiven Club und wird im Anschluss in einen folgenreichen Crash verwickelt.

Einige Tage später kommt sie in einem Krankenhaus zu sich und stellt voller Entsetzen fest, dass ihr Kiefer schwer beschädigt ist. Kurz darauf wird Rose jedoch auf eine Klinik aufmerksam, die sich dem Transhumanismus verschrieben hat. Mithilfe neuer Technologien möchten Dr. Burroughs (Ted Atherton, „The Trench – Das Grauen in Bunker 11“) und seine Mitstreiter die Grenzen des menschlichen Lebens erweitern. Nach einem ersten Kennenlernen willigt die durch ihre Entstellungen noch stärker deprimierte Rose in eine radikale Stammzellenbehandlung ein, die eine vollständige Heilung verspricht. Tatsächlich ist ihr Antlitz nach dem Eingriff plötzlich makellos. Und noch dazu benötigt sie keine Sehhilfe mehr. Die Freude – auch über den nun einsetzenden beruflichen Erfolg – weicht allerdings irgendwann einer handfesten Verunsicherung, da es die überzeugte Vegetarierin Rose mehr und mehr nach Blut dürstet.

Dass die Regisseurinnen und Koautor John Serge zu sehr auf die Tube drücken würden, kann man wahrlich nicht behaupten. Vielmehr nimmt sich das „Rabid“-Remake rund 45 Minuten Zeit, um den Betrachter mit Rose und ihrer Situation vertraut zu machen. Ein langsamer Handlungs- und Spannungsaufbau ist aber nur die Hälfte wert, wenn man ständig Plattitüden und arg explizite, soapig anmutende Dialoge serviert bekommt. Schon die Einführung der Hauptfigur, die als graue Maus eine Brille trägt (wie soll es anders sein!), gerät enttäuschend plakativ. Ähnliches gilt für die hier skizzierte Modebranche und ganz besonders für Chefdesigner Gunter (Mackenzie Gray, „Riverdale“), bei dem die Beschreibung „Klischee auf zwei Beinen“ noch untertrieben ist. Der an Karl Lagerfeld angelehnte Modeschöpfer, der in der englischen Originalfassung mit breitem Akzent spricht, ist eine schreckliche Karikatur und lenkt das Geschehen stets in eine merkwürdige parodistische Richtung. Nicht weniger stereotyp benehmen sich die meisten seiner Mitarbeiter, denen man getrost das Etikett „Lästermäuler“ anheften kann. Witzig ist allein die Tatsache, dass sich die Soska-Schwestern im Film selbst als solche inszenieren.

Weil „Rabid“ regelmäßig hohle Phrasen in den Raum wirft und Charakterzeichnung mit dem Holzhammer betreibt, fällt es schwer, ernsthaftes Interesse für Roses Schicksal aufzubringen. Der Moment, in dem sie aus dem Koma erwacht und zum ersten Mal ihr geschundenes Gesicht betrachtet, ist zwar durchaus erschütternd. Wirklich nahe kommt man der Protagonistin im weiteren Verlauf jedoch nicht. Ihre blutigen Attacken auf ihre Umwelt und die von ihr ausgelöste tollwutartige Seuche, die ungefähr ab der Hälfte um sich greift, fördern zumindest ab und an schauerliche Szenen zu Tage. In Erinnerung bleibt ein völlig aus dem Ruder laufender, mit leichter Medienkritik versehener Dreh an einem Fernsehset und ein wilder Amoklauf in einem Krankenhaus.

Stellenweise schaffen es die Regisseurinnen, nicht zuletzt dank kompetenter Gore-Effekte, den Zuschauer zu packen. Für ein durchgängig intensives Seherlebnis hätte es aber deutlich mehr Struktur gebraucht. Roses rasanter beruflicher Aufstieg wirkt unglaubwürdig. Das Ausmaß der Epidemie vermittelt sich nur bedingt. Der Idee des Transhumanismus schenkt das Drehbuch wenig Aufmerksamkeit. Überdeutliche Anspielungen auf das Ursprungswerk und andere Cronenberg-Filme („Die Unzertrennlichen“ sticht hervor) werden manchmal willkürlich platziert. Und auch die Führung der Nebenfiguren ist insgesamt sehr unglücklich. Chelsea etwa wird anfangs als wichtige Begleitperson aufgebaut, fällt dann allerdings eine ganze Weile aus der Geschichte heraus, nur um im dritten Akt wieder eine größere Rolle zu spielen. Der schlingernde Plot mündet schließlich in ein aufgekratztes Finale inklusive eines Schlusstwistes, der allein wegen des hohen Trash-Faktors nicht zünden will.

Die neue „Rabid“-Version hat gewiss ein paar gelungene Momente, präsentiert sich unter dem Strich aber zu unausgegoren – und nährt am Ende vor allem einen Gedanken: Schade, dass Schreckenskünstler David Cronenberg seit 2014, seit der sarkastischen Hollywood-Abrechnung „Maps to the Stars“, keine Regiearbeit mehr übernommen hat.

>> von Christopher Diekhaus

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