Moviebase Wednesday [TV-Serie]

Wednesday [TV-Serie]
Wednesday [TV-Serie]

Bewertung: 65%

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Originaltitel: Wednesday
Kinostart: Unbekannt
DVD/Blu-Ray Verkauf: 23.11.2022
DVD/Blu-Ray Verleih: 23.11.2022
Freigabe: Unbekannt
Lauflänge: 60 Minuten
Studio: MGM Television, Netflix
Produktionsjahr: 2022
Regie: Tim Burton, James Marshall, Gandja Monteiro
Drehbuch: Alfred Gough, Miles Millar, Kayla Alpert, April Blair, Matt Lambert
Darsteller: Jenna Ortega, Catherine Zeta-Jones, Luis Guzmán, Christina Ricci, Gwendoline Christie, Riki Lindhome, Jamie McShane, Hunter Doohan, Percy Hynes White, Emma Myers
Zwei Animationsfilme hauchten der von Charles Addams einst für eine Cartoon-Reihe erfundenen Addams Family, einer Sippe schräger Gestalten mit einer Vorliebe für alles Schauerliche, in jüngerer Vergangenheit neues Leben ein. Sowohl „Die Addams Family“ von 2019 als auch der Nachfolger „Die Addams Family 2“ aus dem Jahr 2021 bemühten sich, den berühmt-berüchtigten morbiden Charme des eigenwilligen Clans einzufangen, wirkten insgesamt aber nicht frech und frisch genug, um wirklich bleibenden Eindruck zu hinterlassen. Herausstechen aus den beiden eher beliebig zusammengeschusterten Gruselkomödien konnte allerdings Teenagertochter Wednesday, deren Wunsch nach einem Ausbruch aus den familiären Grenzen die Geschichten dramatisch zumindest etwas aufwertete – selbst wenn die Macher nicht das volle Potenzial ihres inneren Konfliktes auszuschöpfen wussten. Eben diese Figur steht nun auch in der neuen Netflix-Serie „Wednesday“ im Mittelpunkt, an der mit Tim Burton einer der bekanntesten Vertreter des skurril-unheimlichen Filmschaffens als Regisseur und ausführender Produzent beteiligt war.

Ohne ausufernde Erklärungen zu bemühen, werfen uns der „Beetlejuice“-Schöpfer und die Showrunner Alfred Gough („Smallville“) und Miles Milar („Ich bin Nummer Vier“) in der Auftaktepisode in das Leben der jugendlichen Titel-Antiheldin hinein. Im farbenfrohen Umfeld einer öffentlichen Highschool wirkt die dunkel gekleidete Wednesday (Jenna Ortega) wie ein Fremdkörper und möchte genauso wahrgenommen werden. Ich bin Außenseiterin, und das ist gut so, lautet das Motto dieser Jugendlichen, die sich nicht um Anerkennung, Freundschaften oder Ähnliches schert, Emotionen mit Schwäche gleichsetzt und keine Skrupel hat, eine Mobbingattacke auf ihren kleinen Bruder Pugsely (Isaac Ordonez) denkbar drastisch zu rächen. Nach ihrem blutigen Vergeltungsschlag, bei dem Piranhas eine bedeutende Rolle spielen, muss sie – mal wieder – die Schule wechseln.

Ihre Eltern Morticia (Catherine Zeta Jones) und Gomez (Luis Guzmán) setzen alle Hoffnungen in die altehrwürdige Nevermore Academy, ein Internat für Outcasts aller Art, Monster wie Werwölfe und Sirenen in Menschengestalt inbegriffen. Wo sich Mama und Papa Addams vor vielen Jahren kennen und lieben lernten, sollte doch wohl auch ihre widerspenstige Tochter endlich ihren Platz finden. Wednesday denkt aber nicht im Traum daran, sich irgendwie einzugliedern und nach Freunden Ausschau zu halten, sondern plant, als sie noch nicht richtig angekommen ist, schon ihre Flucht. Keineswegs möchte sie so enden wie ihre Mutter, die in eine Hausfrauenrolle geschlüpft ist. Der geradezu aggressiv emanzipatorische Geist der Protagonistin wird früh etabliert und bringt einige mal amüsante, mal etwas gewaltsam hineingepresst wirkende Seitenhiebe gegen patriarchale Strukturen mit sich.

In fast jedem Dialog bricht sich Wednesdays Antihaltung Bahn. Immer wieder betont sie, wie sehr sie dem Morbiden, dem Abseitigen zugeneigt ist, und wie wenig sie für den üblichen Teenagerkram, etwa soziale Medien, übrig hat. Ihre Lebensphilosophie kommt in vielen schwarzhumorigen Pointen und trockenen Onelinern zum Ausdruck. Deren Aufbau ist nach einer Weile allerdings klar. Stets sagt sie etwas, das im krassen Gegensatz zu den Äußerungen ihrer Gesprächspartner steht. Bewundernswert ist ungeachtet dessen die Performance von Hauptdarstellerin Jenna Ortega. Gleichgültig und grimmig gucken kann sie vortrefflich. Und Wednesdays Spitzen feuert sie mit der richtigen Bissigkeit ab.

Was in den für diese Kritik gesichteten ersten drei (von insgesamt acht) Episoden auffällt: Die Protagonistin tritt vielleicht eine Spur zu souverän auf, geht aus fast allen Wortduellen und körperlichen Auseinandersetzungen als Siegerin hervor. Ein paar Zweifel, Rückschläge hätten ihr die Drehbücher durchaus zugestehen dürfen. Trotz ihrer offen zur Schau gestellten Ihr-könnt-mich-alle-mal-Attitüde zeigt sich in Ansätzen, dass unter ihrem Panzer menschliche Züge existieren. Nicht nur für ihren Bruder setzt sie sich vehement ein. Auch anderen bedrängten Personen kommt Wednesday zu Hilfe. Hinweise auf eine Charakterentwicklung, die in den letzten fünf Episoden sehr wahrscheinlich konkreter Gestalt annehmen wird.

Seine Liebe für Außenseiter und exzentrische Elemente kann Tim Burton, der bei den ersten vier Folgen auf dem Regiestuhl saß, auch in der Netflix-Serie ausleben. Gerne hätte es hier und da, zum Beispiel im Szenenbild, aber noch ein bisschen bizarrer werden dürfen. Die spleenige Kraft seiner besten Arbeiten erreicht der gebürtige Kalifornier dieses Mal nicht. Auf Handlungsebene muss sich Wednesday mit einer rätselhaften Mordserie und einer unheilvollen Prophezeiung auseinandersetzen, über die die dunkle Seite des US-amerikanischen Gründungsmythos und der Hass auf alles Fremde zum Thema gemacht werden. Gruselfaktor und Spannung schnellen noch nicht in gewaltige Höhen. Etwas billig mutet zudem die filmische Gestaltung der Visionen an, die die Hauptfigur in unregelmäßigen Abständen befallen. Gerade diese Szenen hätten sich eigentlich dazu geeignet, echte Horrorakzente zu setzen. Nach drei Kapiteln gibt es also Luft nach oben. Eine solide Basis ist allerdings gelegt.

>> von Christopher Diekhaus

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