Moviebase Dark Corners

Dark Corners
Dark Corners

Bewertung: 45%

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Originaltitel: Dark Corners
Kinostart: Unbekannt
DVD/Blu-Ray Verkauf: 25.04.2008
DVD/Blu-Ray Verleih: Unbekannt
Freigabe: FSK 16
Lauflänge: 92 Minuten
Studio: Matador Pictures / I-On New Media
Produktionsjahr: 2006
Regie: Ray Gower
Drehbuch: Ray Gower
Darsteller: Thora Birch, Toby Stephens, John Bown, Ian Porter, Michael J. Reynolds, Christien Anholt, Glenn Beck, Lorraine Bruce, Ray Charleson, Jonathan Coyne, Rupert Degas, Sheryl Gannaway, Joanna Hole, Robert Jezek, Barbara Keogh, Thomas Mahoney

Susan Hamilton ist glücklich verheiratet und führt ein materiell abgesichertes Leben. Karen hingegen lebt in einem Haus, das hinsichtlich seiner Optik wie eine Wohngemeinschaft von John Doe, Jigsaw und Fred Madison daherschmuddelt. Eine schäbige, heruntergekommene Wohnung, lynchesk angehaucht. Die Außenwelt umgibt sie mit skurrilen Gestalten und Finsternis. Eine seltsame Beziehung scheint beide junge Frauen zu verbinden; beide sehen sich der Bedrohung durch einen Serienkiller ausgesetzt, den die Medien als „Nightstalker“ bezeichnen. Je mehr beide Frauen den Ursachen ihrer Alpträume, den aufwühlenden psychischen Grenzerfahrungen, die sie plagen, auf den Grund zu gehen trachten, desto mehr verschwimmen nicht nur die Grenzen zwischen beider Leben, sondern auch zwischen Traum und Wirklichkeit.

In den letzten Jahren wurde immer deutlicher, welche sehr erfolgreichen Filme des Psycho-Thriller- und Horror-Genres stil- bzw. genreprägend waren, in visueller als auch inhaltlicher Hinsicht. Im wesentlichen hängt das Gros heutiger Filme dieser Provenienz an einem Stammbaum, dessen Wurzeln sich nach wie vor durstig in den längst erodierten Fincherboden strecken. Immer noch geistert John Doe durch die Köpfe vieler Drehbuchautoren und Filmemacher, oder, in Abwandlung eines berühmten Werbeslogans für Schokoladeneier und vor allem mit Blick auf die Qualität vieler zeitgenössischer Horrorfilme: Er ist seitdem der Schurke in jeder zweiten Gurke. Ein wenig Wan-Dünger verlängerte die Haltbarkeitsfrist, auch wenn dieser selbst schon aus einem Recyclingprozess stammte, dessen Ermüdungserscheinungen mittlerweile unübersehbar sind. Was tun? Wie wäre es mit einem Teelöffel Lynchismo, um etwas Würze hinzuzugeben?

Genau das tut Regisseur Ray Gower in seinem Regiedebüt „Dark Corners“. Das Perfide daran: der Streifen wirkt wie genau derjenige dystopische Zustand, den David Fincher in „Seven“ so bildgewaltig in Leinwände ätzte. Es regnet, gleichzeitig aber wirft die Abendsonne ein melancholisches Licht und wirft eschatologische Schatten. Ein Schwebezustand, unentschlossen zwischen Altem und Neuem; ein bunt mit Zitaten beklebter Verpuppungszustand, den eigenen Kokon verzehrend, noch nicht fähig, zur Innovation durchzubrechen. So gibt es auch in diesem Film die übliche ästhetisch aufgeputzte Verkommenheit, den gewohnten, mit Pastell- und Lackfarben aufgespritzten Schmuddelkram, der hier aber wie eine bloße Beigabe wirkt, beliebig, ohne je eine überzeugende Homogenität von Inhalt und Form zu erreichen.

Was auch für die Story gilt. Ja was denn nun? Thriller, Psycho-Drama, Horror oder Komödie? Die originellste und witzigste Figur des Filmes ist ein Leichenbestatter, in dessen Diensten Karen steht, ein Charakter wie auf Gilliams Reisen – er hätte auch die Welt von „Brazil“ bewohnen können. Susan und Karen wiederum scheinen ganz vernarrt in Fred Madison zu sein; allerdings braust ihre Identitätskrise nicht über den Lost Highway, sondern spielt auf dem Seitenstreifen, während die Geschichte, bis zur vorauszuahnenden und eher drögen Auflösung, wie ein Slasherfilme kauender Brontosaurier behäbig an ihnen vorbeistampft. Schon die Eröffnungsszene des Filmes ist seltsam unentschlossen – wohnt man nun einer Slasherparodie oder einem ernstgemeinten Psychothriller bei? Geht es um zehn kleine Negerlein, die Blumen des Bösen, die Frau ohne Eigenschaften, Jacobs Ladder oder das Herz von Harry Angel? Worauf will der Regisseur denn nun hinaus? Im weiteren Verlauf lichtet sich das Wirrwarr zwar etwas, bleibt aber immer diffus und wie eine kaputte Schallplatte an den immer gleichen, leider offensichtlichen Schlüsselszenen hängen. Die Karten werden hier einfach zu schnell auf den Tisch gelegt; sehr schnell wird klar, welcher Art die Beziehung zwischen den beiden jungen Frauen ist. Wenn Susan einschläft, wacht Karen auf und umgekehrt – das sollte ja schon offensichtlich genug sein.

Thora Birch, die als kleines Mädchen einen ihrer ersten Filmauftritte an der Seite von Harrison Ford in Philip Noyce Tom Clancy-Verfilmung „Patriot Games“ („Die Stunde der Patrioten“) hatte und später neben Kevin Spacey in „American Beauty“ agierte, bekleidet in“Dark Corners“ ihre erste Doppelrolle. Sie wirkt mit der Verkörperung zweier so unterschiedlicher Charaktere oft etwas überfordert, was sicher auch zur Verminderung des Rätselspaßes beiträgt. Eine wirklich saubere Trennung, die nötig gewesen wäre, um ein reizvolles Spannungsgefälle zu erzeugen, gelingt ihr leider nicht. Wer David Cronenbergs „Die Unzertrennlichen“ kennt, weiß, auf welch atemberaubende, verblüffende Art und Weise ein- und derselbe Mensch, in diesem Fall ein phänomenaler Jeremy Irons, zwei charakterlich denkbar weit voneinander entfernte Personen verkörpern kann. Toby Stephens, bekannt als Brosnans Gegenspieler aus „Die Another Day“ sowie aus „Severance“, darf hier wieder einmal sein herrlich fieses, wie hingeschmiertes Grinsen unter einem hermetisch egoverriegelten Schockfrostblick auflegen, der einem Patrick McGoohan zur Ehre gereicht.

Fazit: „Dark Corners“ ist zwar ambitionierter Psychohorror, wirkt aber noch zu unentschlossen und zu überladen. Sicher nicht das schlechteste Debüt – manche Regisseure liefern trotz umfangreicher Filmographie kontinuierlich viel Übleres ab – aber weniger wäre hier wohl doch mehr gewesen. Im Vergleich zu zahlreichen anderen Genrebeiträgen jüngeren Datums sollte man allerdings fair bleiben.

>> verfasst von Axel Krauss 

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