Im Interview – Donkey Punch und Sorority Row Hauptdarsteller Julian Morris

In Cry _Wolf, einem von Jeff Wadlow inszenierten Teen-Thriller, und dem kommenden Slasher-Remake Sorority Row wird der in London geborene Schauspieler Julian Morris von einem Serienkiller heimgesucht. Im aktuellen Psycho-Thriller Donkey Punch mutiert der 26-Jährige derweil selbst zum Mörder. Passend zum am Freitag dieser Woche erfolgten DVD-Start des Films, findet sich im Anhang dieser Meldung unser exklusives Interview mit dem Briten. Im ausführlichen Gespräch erzählt der aus Emergency Room bekannte Jungdarsteller unter anderem von Rollenvorbereitungen, dem Donkey Punch und einem Wandel seines Charakters. Zusätzlich geht Morris auf seinen kommenden Film Sorority Row ein, der ein Remake zu The House on Sorority Row darstellt. Die drei jungen und attraktiven Engländerinnen Lisa, Tammi und Kim verbringen auf Mallorca ihren Sommerurlaub. Auf der Suche nach der nächsten Party lernen sie Sean, Bluey, Josh und Marcus kennen. Nach anfänglichem Zögern begeben sie sich auf die Jacht der Jungs und fahren aufs offene Meer hinaus, um ungestört feiern zu können. Die Party entwickelt sich zu einer Drogen- und Sexorgie, was so lange gut geht, bis eines der Mädchen durch einen sogenannten Donkey Punch – einen Schlag aufs Genick, der die Lust steigern soll – ums Leben kommt. Was harmlos anfing, wird zum bitteren Ernst und plötzlich ist allen klar: Hier kommt keiner mehr unversehrt raus!
 

BlairWitch: Zunächst einmal: Hattest Du überhaupt eine Ahnung, wobei es sich bei einem Donkey Punch handelt, als das Drehbuch vorgelegt wurde?

Julian Morris: Ich hatte eine gewisse Vorahnung, um was es sich beim Donkey Punch handelt. Unter anderem, dass es etwas Grauenvolles und Schamloses sein soll. Als ich dann das Drehbuch zum gleichnamigen Film las, war ich im wahrsten Sinne des Wortes erschüttert, als ich gesehen habe, um was es sich dabei tatsächlich handelt. Es hat sich von dem, was ich vor dem Lesen des Drehbuchs im Kopf hatte, doch sehr unterschieden.

Dein Charakter macht im Film einen radikalen Wandel durch.

Genau. Dieser plötzliche Wandel im Film war unter anderem einer der vielen Gründe, weshalb ich mich für den Charakter des Josh interessiert habe. Am Anfang haben wir einen neugierigen und eher zurückhaltenden jungen Mann. Er gehört nicht zu den Außenseitern, aber in seinem Freundeskreis ist er derjenige mit den wenigsten Erfahrungen in vielerlei Hinsicht. Und nachdem er vom Donkey Punch hört und dann anschließend zu einer Sex-Orgie eingeladen wird, denkt er, dass es sich um den Moment seines Lebens handelt. Bis die Sache durch den Versuch scheitert und alles außer Kontrolle gerät. Und nach diesem Augenblick wird er zu einem anderen Menschen. Er stellt sich als das dar, was er in Wirklichkeit gar nicht ist. Er möchte zum Beispiel genauso dreckig und cool wie Bluey sein, oder so begehrt und ähnlich stark wie Marcus. Aber das ist er nicht. Er benutzt diesen Unfall dann jedoch, um seine Intelligenz zu testen. Er manipuliert seine Freunde, um das zu erreichen, was er will. Er möchte überleben und als Unschuldiger dastehen. Er weiß, dass er dieses eine Mädchen auf brutale Art und Weise ermordet hat und versuchen muss, sich aus dieser unangenehmen Situation zu befreien. Und dabei übertritt er so ziemlich jede Grenze, um dieses Schiff, auf dem sie sich befinden, ohne Sorge verlassen zu können.

 

Worauf musste besonderen Wert gelegt werden, um Josh so glaubwürdig wie möglich darzustellen?

Zunächst einmal war es sehr wichtig, dass ich mich mit der Figur identifiziere bzw. auseinandersetze und sie verstehe. Als ich das Drehbuch gelesen habe, war es dann von besonderer Bedeutung mir vorzustellen, wie ein junger Mann, also in diesem Falle Josh, auf so eine Situation im richtigen Leben reagieren würde, wenn man derart konfrontiert wird. So etwas passiert ja völlig unerwartet und der Schock sitzt ziemlich tief, wenn man intensiver darüber nachdenkt. Schließlich riskiert Josh das Leben eines Mädchens, und das nur, um den Mythos, diese Geschichte rund um den Donkey Punch, tatsächlich umzusetzen. Aber genau das geht dann eben schief. Dabei war es besonders wichtig sich die Frage zu stellen, ob er der Typ ist, der sich der Polizei stellt und alles gesteht, oder ob er eher über Leichen geht, um sich irgendwie aus der Schlinge zu ziehen. Ich habe mir dann verschiedene Optionen ausgedacht, wie er darauf reagieren könnte. Was die Situation jedoch positiv unterstützte, also meinen definitiven Entschluss, war die Tatsache, dass wir in Südafrika, wo wir den Film in Szene setzten, auf einem richtigen Schiff gedreht haben. Wir hatten 21 Tage Zeit, um alle Szenen abzudrehen, aber es waren wirklich sehr lange Tage. Ich hatte dann während der Dreharbeiten zum Film die Chance, mich besser in die Lage zu versetzen, alles war wesentlich intensiver und irgendwann war mir dann auch klar, welche Richtung ich einschlagen muss, um Josh glaubwürdig zu mimen.

Der Donkey Punch wird sehr intim dargestellt. Welche Vorbereitungen waren nötig?

Ich habe keine Ahnung (lacht). Wir, also meine Kollegen und ich, hatten schon ständig im Hinterkopf, dass wir irgendwann auch diese Szene drehen müssen und uns ja auch unklar war, was uns da genau erwartet. Letztlich war es aber keine große Sache, da wir uns, bis es zu diesem Tag kam, sehr gut angenähert hatten und somit bereits ausreichend gut kannten. Wir waren also keine Fremde mehr und sind auch aktuell noch eng miteinander befreundet. Und genau das war es dann auch, was uns die Sache etwas erleichtert hat. Auf der Leinwand wirkt diese eine Szene wirklich sehr intensiv, heftig, intim und vor allem erotisch. Aber den Donkey Punch in Szene zu setzen, war dann eine eher lockere und besonders lustige Erfahrung für jeden Einzelnen von uns. Natürlich hatten wir alle keine Klamotten an, aber trotzdem war es uns weder peinlich noch unangenehm, im Gegenteil. Wir hatten viel Spaß.

Würdest Du sagen, dass die Gewaltdarstellung in Donkey Punch ein wichtiger Bestandteil ist?

Die Brutalität im Film gehört durchaus dazu und ist auf eine Art und Weise wichtiger Bestandteil des Films. Aber ich würde jetzt nicht behaupten, dass es in Donkey Punch ausschließlich um die visuelle Brutalität geht, wie es zum Beispiel in Filmen wie Hostel und Saw der Fall war, wo die Gewalt tatsächlich im Vordergrund stand. Denn in diesen Filmen waren bzw. sind es die Goreszenen, die den Zuschauer unterhalten wollen. Was Donkey Punch jedoch so brutal macht, sind die Charaktere und deren Aktionen, ihr Wandel und der Trib, Dinge zu tun, die eigentlich nie Thema waren. Denn durch diesen Unfall während der Sex-Orgie werden alle Charaktere, ganz besonders Josh, mit einer äußerst unerwarteten und schockierenden Situation konfrontiert, die sich nicht rückgängig machen lässt. Und obwohl sie erschrocken darüber sind, wollen sie trotzdem, was die meisten Menschen bevorzugen: Unschuldig sein. Deswegen sind sie bereit so ziemlich alles dafür zu tun. Genau das ist es, was diesen Film so schockierend, extrem und heftig wirken lässt – nämlich, dass wir hier keine unrealistischen und übernatürlichen Dinge inszeniert haben, sondern alles sehr menschlich und eben sehr real dargestellt wird.

Neben einer Rolle in der Serie Privileged werden wir Dich demnächst auch im Remake Sorority Row zu sehen bekommen.

Genau. Ich habe da jetzt schon einige fertige Ausschnitte aus dem Film gesehen und finde diese einfach fantastisch. Es handelt sich dabei um eine ganz andere Art von Film und außerdem hatten wir wesentlich höhere Produktionskosten zu Verfügung, was das Werk gleich noch einmal besser aussehen lässt. Der Film orientiert sich an den großartigen Slasher-Filmen aus den Neunzigern, wie zum Beispiel Scream oder I Know What You Did Last Summer. Das wird ein sehr unterhaltsames Abenteuer werden, ein Kontrast zu brutalen Filmen wie eben Saw oder Hostel. Und zusätzlich haben wir ein paar richtig schön platzierte Schocker in unserem Remake.

 

Welche Rolle bekleidest Du in der kommenden Neuverfilmung?

Im kommenden Remake spiele ich Andy, die männliche Hauptrolle. Der Film basiert auf einem außer Kontrolle geratenen Streich, bei dem Megan, ein Mädchen das von Audrina Patridge aus der Serie The Hills verkörpert wird, ihr Leben lässt. Genau ein Jahr später bekommen sämtliche Teenager, die an diesem unfreiwillig geschehenen Mord beteiligt waren, während einer Party eine beängstigende Videonachricht auf ihr Handy geschickt. Daran erkennen die Mädels, dass auch Außenstehende davon Wind bekamen, was sie an jenem Abend angerichtet haben. Sie wissen ab diesem Augenblick, dass ihnen ein Unbekannter auf die Schliche gekommen ist und ihr Geheimnis gegen sie verwendet. Doch die geheimnisvolle Person hegt keinerlei Interesse daran, sie zu verraten. Stattdessen macht unser Killer dann Jagd auf die Teenager und befördert jeden Einzelnen von ihnen ins Jenseits, so wie sie Megan vor einem Jahr. Was ich aber noch anmerken will: Es wird sich um kein direktes Remake handeln. Die Grundidee basiert natürlich auf dem Original, beide Filme gehen aber trotzdem ihren eigenen Weg. Deutlich wird das bereits durch den abgewandelten Filmtitel. Das Original erschien unter dem Namen The House on Sorority Row, während unser Film lediglich Sorority Row heißt.

In welchen Belangen unterscheidet sich Sorority Row von anderen Teen-Slashers?

Eine interessante Frage. Diese ganzen Slasher sind sich von der Grundidee natürlich alle sehr ähnlich. Auch unser Film wird in Richtung Horror-Komödie gehen. Wir haben wunderbare Darsteller und sehr attraktive Darstellerinnen an Bord. Sorority Row soll den Zuschauer in erster Linie unterhalten und ihm Freude bereiten. Es wird sich um kein todernstes Remake handeln. Wir möchten erreichen, dass die Zuschauer Spaß an dem Gezeigten haben. Natürlich wird es auch in unserem Film brutale und verstörende Bilder zu sehen geben. Allerdings wird es eher ein Machwerk sein, das auf junge Paare zugeschnitten ist. Ein Film für Jungs und Mädels, wenn man so will. Das perfekte Date Movie also. Worin der Unterschied zu Filmen wie Scream und I Know What You Did Last Summer besteht? Ganz einfach: Unser Film ist aus dem Jahr 2009 und nicht aus den Neunzigern (lacht).

Welche Szene ist Dir in besonderer Erinnerung geblieben?

Da muss ich jetzt ganz genau drüber nachdenken, wie ich meine Antwort auf diese Frage formuliere. Ich möchte nämlich nicht, dass ich etwas verrate, was den Filmfans womöglich noch den ganzen Spaß an der Szene nimmt. Aber soviel sei schon einmal gesagt: Bei meiner favorisierten Todesszene wird es sich um eine Sequenz handeln, in der wir eine der Sorority Schwestern in einen Raum bzw. in ein Zimmer gehen sehen, wo sie ein Date mit einem Jungen verabredet hat. Sie wollen sich vergnügen, aber der Junge ist nicht oder noch nicht da. Also fängt sie bereits ohne ihn an und entledigt sich ihrer Klamotten, setzt sich auf das Sofa und wartet auf den Auserwählten. Dann gibt es einen Moment, in dem sie zur Decke blickt… Was dann passiert, werde ich jetzt aber lieber für mich behalten, da ich nichts verraten möchte. Die Fans des Genres müssen sich einfach ein eigenes Bild davon machen. Ich kann lediglich sagen, dass es sich um einen wirklich grandiosen Moment handelt.

Vor fünfzehn Jahren war dieses Subgenre sehr populär. Setzt Sorority Row auf alte und bekannte Tugenden?

Ich finde, dass Sorority Row das Genre in gewisser Weise doch sehr bereichert. Tatsache ist doch, dass wir für eine sehr lange Zeit keine Teen-Slasher mehr zu sehen bekamen. Heutzutage bekommen wir nahezu ausschließlich harte Filmkost serviert, was das Horror-Genre betrifft. Das wären unter anderem Filme wie The Hills Have Eyes oder auch Donkey Punch. Für mich zählt noch nicht einmal das Remake zu Freitag der 13. in die Kategorie dieser Art von Slasher, die es damals gab, da dieser doch einen anderen Weg geht. Unser Film enthällt sämtliche Elemente, die dieses Untergenre in der Vergangenheit so populär und sehenswert gemacht haben. Dazu gehört zum einen eine gewisse Prise Humor, attraktive Frauen, ein hoher Spaßfaktor, unerwartete Schockszenen und kreative Todessequenzen. Zum anderen ist es wichtig, die Handlung nicht aus den Augen zu verlieren. Die brutalen Szenen sollen die Fanherzen sicherlich höher schlagen lassen, aber diese Filme hatten auch stets die Absicht, eine tolle Geschichte zu erzählen. Und diese ganzen Kombinationen von damals finden sich eben auch in Sorority Row wieder. Weiter sind ja mittlerweile über zehn Jahre vergangenen. In dieser Zeit haben sich die technischen Möglichkeiten in der Filmbranche stark erweitert. Es bieten sich aktuell einfach wesentlich mehr Varianten, wie man gewisse Dinge inszeniert, als noch in den Neunzigern. Unser Film wirkt dank der heutigen Technologie wesentlich frischer und vor allem sehr modern, wie ich finde. Speziell deshalb haben wir uns auch bei den einzelnen Todesszenen wunderbar austoben können.

 

Welche Variante wird auch zukünftig interessanter für Dich sein: Serie oder Film?

Eine Serie wird besser bezahlt (lacht). In erster Linie interessiere ich mich natürlich für den Charakter, den ich verkörpern soll. Was ich persönlich jedoch sehr gerne mag, sind verschiedene Erfahrungen zu sammeln, weshalb ich denke, dass ich versuchen werde für mehr Filme vor der Kamera zu posieren. Denn jedes Werk bietet stets eine willkommene Abwechslung. Man trifft neue Menschen, arbeitet an einer komplett neuen Geschichte, reist um die ganze Welt, an die verschiedendsten Locations und erlebt daher immer etwas Neues, was ich prinzipiell sehr spannend finde. Andererseits bieten aktuelle Hitserien wunderbare Charaktere, die sich hervorragend weiterentwickeln. Es ist also schwierig. Beides ist interessant.

>> Interview verfasst und geführt von Carmine Carpenito

Geschrieben am 14.06.2009 von Carmine Carpenito
Kategorie(n): News



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