Im Interview – Regisseur Christopher Landon über seine Horror-Komödie Scouts vs. Zombies

Achtung, die Zombies sind los! Ab sofort zeigen mehr als 180 deutsche Lichtspielhäuser die neue Horror-Komödie Scouts vs. Zombies, die mit Schauspielern wie Tye Sheridan, Logan Miller oder David Koechner aufwartet. Für den Regieposten zeichnete Christopher Landon verantwortlich, der Jahre zuvor schon bei Paranormal Activity: Die Gezeichneten das Zepter übernahm. Passend zum deutschen Kinostart der 15 Millionen Dollar schweren Produktion haben wir den 40-jährigen Amerikaner ausführlich für Euch befragt und unter anderem herausgefunden, wieso er sich gegen die ursprüngliche PG-13 Vorgabe wehrte und aus welchem Grund ausgerechnet Gremlins oder Die Goonies als Inspirationsquelle dienten. In Scouts vs. Zombies wird eine idyllische Kleinstadt von blutürnstigen Zombies bedroht. Nur eine Gruppe junger Pfadfinder kann die Katastrophe jetzt noch abwenden. Angeführt wird die rechtschaffene Truppe von Tye Sheridan aus dem Indie-Drama Mud. Er muss darüber entscheiden, wie seine Kameraden mit den wankenden Untoten umgehen, die es ausgerechnet auf das saftige Fleisch ihrer weiblichen Pfadfinder-Kolleginnen abgesehen haben.

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Christopher, Dein vorheriges Regiewerk „Paranormal Activity: The Marked Ones“ entpuppte sich als Horrorfilm mit Comedy-Elementen. Bei „Scouts vs. Zombies“ ist es genau umgekehrt.

Da hast du absolut Recht! In erster Linie ist es tatsächlich eine Komödie, die mit Horror-Elementen ausgestattet wurde. Es gibt zwar all die klassischen Jump Scares, aber alles in allem überwiegt die Komödie.

Gerade bei abgedrehten Horror-Komödien wie der deinen kann man schnell mal übers Ziel hinausschießen. Wie hast du verhindert, dass der Humor ins Alberne abdriftet?

Ich war immer sehr zuversichtlich, was die korrekte Balance der Vermischung betrifft. Gerade deswegen, weil sich Horror und Comedy in ihrer Architektur sehr ähnlich sind. Ein Moment, der uns aufschrecken lässt, bietet sich wunderbar dazu an, um darauf einen guten Witz folgen zu lassen. Meiner Ansicht nach halten wir die Waage schön aufrecht. Wichtiger war für mich jedoch, Figuren zu kreieren, mit denen man sich identifizieren kann und die man auch mag. Das wird vernachlässigt, besonders im Horror-Genre. Man muss einfach Zeit und Energie in die Charakterentwicklung stecken. Das zu machen, stellt für mich die höchste Priorität dar. Die Zuschauer sollen die Figuren erst kennen und lieben lernen, bevor die von zahlreichen Zombies attackiert werden.

Oder von Zombie-Tieren.

Genau. (lacht)

Die Katzen haben mir es ganz schön angetan.

(lacht) Jeder liebt die Zombiekatzen!

In vielen Zombiefilmen werden die Tiere ja völlig vergessen.

Ja, aber weshalb nur? Wieso Tiere nie zu Zombies werden, habe ich auch nie kapiert. Aber jetzt haben wir sie ja.

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Eben. In eurem Film werden geliebte Haustiere zu fleischfressenden Bestien.

Und sie zu machen, war ein Mordsspaß! (lacht) Als ich diese Drehbuchstellen dem Studio vorlegte, waren sie zunächst noch nicht wirklich begeistert von der Idee. Sie befürchteten eine Reihe von computeranimierten Tieren. Ich habe ihnen daraufhin zugesichert, dass wir den Fokus auf praktische Effekte legen. Wir haben also Puppen kreiert, eben ganz Old School. Paramount hielt mich dann zwar für noch verrückter, aber immerhin gaben sie mir ihr Einverständnis. (lacht) Es hat so viel Spaß gemacht, weil gerade diese Szenen zum Feeling beigetragen haben, den Film wie einen 80er-Jahre Klassiker wie „Gremlins“ wirken zu lassen. Dadurch haben wir sicherlich die ein oder andere Regel des modernen Filmemachens gebrochen, konnten uns dafür aber von anderen Zombiefilmen abheben. Gerade weil man wie schon besprochen nicht sehr oft Zombie-Tiere zu Gesicht bekommt. Und wenn, dann sind sie nicht humoristisch ausgelegt. Die Zombiekatzen schwirrten sehr lange in meinem Kopf herum. Es gibt ja diese Szene, in der Augie die Tür schließt und dann Katzenpfoten unter dem Türspalt hervorschießen. Das war mein ganz persönlicher Cameo. Ich bin einer der Bediener dieser Katzenpfoten. (lacht) Mehr von mir wird man in keinem anderen Film zu sehen kriegen. (lacht)

Bei so viel Spaß muss es aber ganz schön schwierig sein, den Zuschauer immer noch glauben zu lassen, dass sich die Figuren in einer mörderischen Umgebung befinden.

Also zunächst einmal muss man eine Welt aufbauen, mit der man sich vertraut fühlt. Wenn man sie wiedererkennt und glaubt, dass sie wirklich existiert, kauft man auch die anstehenden Gefahren besser ab. Daher sind wir auch ganz vorsichtig an den ersten Akt herangetreten, um Figuren wie du und ich ordnungsgemäß einzuführen. Wenn die Zombies dann erst einmal in Erscheinung treten, weiß man genug über die Figuren um ihnen die Daumen drücken zu wollen. Außerdem gehen wir mit Bequemlichkeit an die Prämisse heran. Es ist ja nicht so, dass die Clique die Tür aufmacht und von jetzt auf gleich von hunderten Untoten überrumpelt wird. Das Konzept langsam entfalten zu lassen, kommt letzten Endes sowohl dem Horror als auch der Comedy zugute.

Zombie-Komödien gab es in den vergangenen Jahren immer häufiger. Mal abgesehen von den Zombie-Tieren: Wie herausfordernd ist es mittlerweile, überhaupt noch neue Impulse zu finden?

Ich mag Filme wie „Zombieland“ oder „Shaun Of The Dead“ und bin selbst ein großer Fan von ihnen. Inspiriert haben mich allerdings ganz andere Filme, meine ganz persönlichen Helden, wenn man so will. Eben so Werke wie „Gremlins“ oder auch „Die Goonies“. Meine Absicht war es, einen Film auf die Beine zu stellen, der uns zurück in die 80er-Jahre befördert. Für mich war das der frische Ansatz, mich quasi dem Zombie-Genre anzunähern und neues Leben einzuhauchen, indem ich mich an verloren gegangenen Macharten orientiere. Unser Film fühlt sich deswegen aber nicht weniger eigenständig an. „Zombieland“ setzte sich bewusst mit Klischees auseinander, während „Shaun Of The Dead“ ein kreativer Ausflug ins Reich der Untoten und aufgrund seines britischen Humors sowie seiner Art der Ausführung etwas ganz anderes war. Letztlich kommt es aber immer darauf an, wer welchen Film macht und welche Richtung er bevorzugt. „Die Goonies“ wäre ganz anders geworden, wenn ihn beispielsweise Sam Raimi inszeniert hätte.

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Sicherlich brutaler. Apropos brutal: Bevor man sich für ein hartes R entschied, war „Scouts vs. Zombies“ noch als PG-13 Abenteuer konzipiert. Gab es keine Bedenken, die Hauptzielgruppe zu verlieren, wenn man zwar einen Film für Erwachsene, allerdings mit jugendlichen Figuren produziert?

So was wird vor allem von Studios sehr sorgfältig durchdiskutiert. Ich persönlich schreibe die Dinge so, wie sie mir richtig erscheinen. Ich habe auch schon Drehbücher für Genrefilme geschrieben, die von Grund auf auf ein PG-13 aus waren, zum Beispiel „Disturbia“, der nie ein R Rating als Ziel vor Augen hatte. Als ich es damals verfasst habe, hatte ich nie Angst davor, kreativ gesehen innerhalb des PG-13 keinen Spielraum zu haben. Der Film gehörte einfach in diese Box. Bei „Scouts vs. Zombies“ hätte es für mich aber nicht gepasst, ganz egal, ob die Figuren nun High School Schüler sind oder nicht. Ich selbst will keinen Zombiefilm sehen, der nicht das liefert, was ich von einem solchen Film erwarte. Wir sprechen hier schließlich von mutierten Menschen, die andere Menschen fressen. So was kann man schlecht in einem PG-13 Film behandeln, weil so eine Version der Verzicht auf Blut und Gore voraussetzt. Und als Fan von Zombiefilmen will ich keine Variante sehen, die all das zensiert. Das wäre auch unehrlich. Deswegen musste es einfach ein R Rating werden. Glücklicherweise war Paramount diesbezüglich sehr unterstützend. Sie gaben mir die Lizenz, meine Vision zu verwirklichen. Die Splatterszenen in unserem Film sind völlig übertrieben, weswegen sie ohnehin noch einmal ganz anders wirken. Das R Rating ermöglichte es mir zudem, auch noch andere Dinge umzusetzen. Und die tragen nicht weniger zum Filmvergnügen bei.

Lass uns über die Schauspieler reden. Mit Tye Sheridan hast du einen Jungen verpflichtet, der bislang ausschließlich in schwermütigen Dramen wie „Tree Of Life“ oder „Joe“ zu sehen war. Wie hast du ihn dazu gebracht, in „Scouts vs. Zombies“ mitzuwirken?

Ich habe ihn in „Mud“ gesehen und bin vor Begeisterung völlig ausgeflippt. Er ist unfassbar talentiert, gleichzeitig aber auch ehrlich und natürlich. Als ich das Drehbuch schrieb, war mir sofort klar, dass es sich bei Ben um einen bodenständigen Typen handeln musste, mit dem man sich auf emotionaler Ebene identifizieren kann. Und Tye besitzt diese Fähigkeit. Seine Performance zieht die Zuschauer in seinen Bann und lässt den Film erst entfalten. Außerdem ist sein Timinig für humoristische Einlagen ganz wunderbar. Als ich mich persönlich mit ihm zum Essen verabredete, war seine humorvolle Seite ganz klar spürbar. Spätestens da war ich mir ganz sicher, dass nur er der richtige für die Rolle des Ben sein würde. Ich wollte einen Schauspieler, der im ganzen Chaos den Boden unter den Füßen behält. Jemand, der nicht schnell verrückt wird und bei dem gleich alles außer Kontrolle gerät.

Also nicht so wie bei Carter, der sich für ein cooles Selfie immer wieder in eine brenzlige Lage bringt.

(lacht) Tja, Carter gehört nun einmal zu jenen Figuren, die sagen: ‚Wenn man kein Foto macht, ist es nie passiert.‘ Und das zieht sich durch den ganzen Film. Carter macht ständig Selfies. In solchen Momenten erscheint er abwesend und das passt ganz gut zur aktuellen Realität. (lacht) Wir kennen das doch alle. Manche Menschen um uns herum verpassen Dinge, weil sie lieber ein Bild machen wollen. Aber in manchen von uns herrscht eben der Drang, immer alles belegen zu wollen. Und Carter ist so ein Typ. Wobei seine Beweggründe eher von oberflächlicher Natur sind, weil es ihm eigentlich viel mehr um das perfekte Profilbild und so ein Zeug geht. Das macht ihn wiederum zu einem kleinen Dummkopf. (lacht) Aber immerhin zu einem liebenswertem, den man gerne zu seinen Freunden zählt.

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Freundschaft spielt generell eine wichtige Rolle. Was bedeutet dir eine so enge Bindung wie die des Trios?

Freundschaft ist alles und die Basis unseres Daseins. Die Anwesenheit meiner Freunde erwarte ich sowohl in guten als auch in schlechten Zeiten. Und bislang war das auch immer der Fall. Mein bester Freund und ich kennen uns schon seit der Schulzeit, was sehr lange her ist. (lacht) Die im Film dargestellte Freundschaft war auch einer der Gründe, weswegen ich ihn machen wollte. Wenn man noch auf der High School ist, möchte man schnell erwachsen werden und Dinge ändern. Manche Freundschaften repräsentieren deine Vergangenheit. Und trotzdem sind sie nicht Teil deiner Zukunft. Und unser Trio im Film befindet sich exakt an dem Punkt, wo sich so was entscheidet. Die Jungs müssen realisieren, dass Partys oder die ganzen Sozialen Netzwerke keine Rolle spielen und es reale Freunde sind, die wichtig sein müssen. Freundschaft kommt zuerst. Unser Film mag zwar verrückt und blutig sein, aber in seinem Kern ist er auch irgendwie niedlich. Unter all der Grausamkeit verbirgt sich eine Botschaft.

Abschließend vielleicht noch ein paar Worte zum „Paranormal Activity“-Franchise: Du hast die Drehbücher zu den Teilen 2 bis 4 verfasst und bei „The Marked Ones“ sogar Regie geführt. Die von dir aufgestellten Fragen beantwortet im Finale „Ghost Dimension“ aber ein Kollege. Fühlt sich das nicht merkwürdig an?

Doch, ein bisschen komisch ist es schon. Aber das Franchise wurde in gute Hände übergeben. Regisseur Gregory Plotkin war mindestens genauso lange oder noch länger in die Ausarbeitung des Franchise involviert wie bzw. als ich. Kaum einer kennt die Reihe besser als er. Daher war ich glücklich, dass er das Zepter und so auch meinen Posten übernahm, um „Paranormal Activity“ abzuschließen. Ich bin mir aber nicht sicher, ob man von Anfang an die Absicht hatte, mit „Ghost Dimension“ alles zu beenden. Aber wie gesagt, es wurde in die richtigen Hände übergeben. Daher war das schon in Ordnung so. Aber merkwürdig war es trotzdem, weil man sich ja intensiv mit der Materie auseinandersetzt. Man gibt Jahre seines Lebens her, um mit einem Projekt und all den dazugehörigen Einzelheiten intim zu werden. Ich bin sehr stolz auf die Reihe. Wir haben eine Menge erreicht, von denen viele nicht glaubten, dass man es könnte. Wir haben alle hart gearbeitet. Nicht nur, um die Reihe am Leben zu erhalten, sondern auch, um sie mit neuen Elementen zu erweitern. Das war nicht immer einfach. Aber es ist atemberaubend, dass es die Reihe so weit gebracht hat.

Geschrieben am 12.11.2015 von Carmine Carpenito
Kategorie(n): News, Scouts vs. Zombies





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