Moviebase Jessy - Treppe in den Tod

Jessy - Treppe in den Tod
Jessy - Treppe in den Tod

Bewertung: 85%

Userbewertung: 75%
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Originaltitel: Black Christmas
Kinostart: 24.10.1975
DVD/Blu-Ray Verkauf: 23.08.2005
DVD/Blu-Ray Verleih: Unbekannt
Freigabe: Unbekannt
Lauflänge: 98 Minuten
Studio: Warner Bros. / Tobis Film
Produktionsjahr: 1974
Regie: Bob Clark
Drehbuch: Roy Moore
Darsteller: Olivia Hussey, Keir Dullea, Margot Kidder, John Saxon, Andrea Martin, Marian Waldman, James Edmond, Doug McGrath, Art Hindle, Lynne Griffin, Michael Rapport, Leslie Carlson, Martha Gibson, John Rutter, Robert Warner

In Amerika gefloppt, dafür in Kanada aber schnell ein Hit und in Europa ebenfalls relativ erfolgreich, avancierte er unter Cineasten zu dem stilbildenden Kultslasher, der Konventionen und Klischees erfand. Der vier Jahre später erschienene „Halloween" wird von vielen sogar als Plagiat bezeichnet, doch glaubt man der Legende, kann man den ebenfalls großartigen Horrorfilm von John Carpenter als inoffiziellen Nachfolger bezeichnen. Carpenter war nämlich ein großer Fan des kanadischen „Black Christmas" und außerdem ein Freund Bob Clarks. Dieser hatte eine Geschichte für eine Fortsetzung ausgearbeitet, in welcher der Killer aus „Black Christmas" in einer Kleinstadt wieder zuschlagen sollte - und zwar an Halloween. Später überließ Clark dann aber Carpenter die Geschichte zur Verfilmung, weil er einen Ruf als Horrorfilmregisseur meiden wollte. Da Carpenter gerade mit den Vorbereitungen zu „The Babysitter Murders" beschäftigt war, integrierte er einfach Bob Clarks Geschichte in seine eigene und nannte das ganze dann „Halloween". So besagt es zumindest die Legende. Letztendlich zählen beide Filme zu den größten Horrorfilmen überhaupt, doch „Black Christmas" hatte eindeutig mehr Einfluss auf die heute bekannten Teen-Horror-Streifen.

Es geht um ein Schwesternhaus, eine Unterkunft für Mädchen und junge Frauen. Die Erziehungsbeauftragten scheinen die ganze Zeit betrunken. Nahe gehen ihnen die Jugendlichen scheinbar auch nicht, zumindest nicht der Leiterin der Einrichtung, die jede Gelegenheit nutzt, einen Schluck aus der Flasche zu nehmen. Trotzdem ist aber alles unheimlich harmonisch. Freudig sitzen sie im Wohnzimmer, die Weihnachtsbeleuchtung strahlt eine friedvolle und weihnachtliche Atmosphäre aus. Doch draußen schleicht jemand umher. In einer extrem weitwinkligen Point-Of-View-Einstellung, die das Bild fast auseinander reißt, können wir sehen und hören, wie er mit röchelnder, schnarrender Atmung über die Fassade in den Dachboden klettert, um von dort Einfluss auf das Treiben im Haus zu nehmen. Er klettert in die unteren Stockwerke hinein, blickt die Treppe hinab und beobachtet sein erstes Opfer, ein Mädchen, welches morgen nach Hause fahren möchte und nun erst einmal dabei ist, ihre Tasche zu packen. Nachdem er sie getötet hat, versteckt er die Leiche auf dem Dachboden. Von nun an befindet er sich ständig im Haus und terrorisiert die Bewohner mit obzönen Anrufen.

Das Hauptaugenmerk wird dabei auf Jessy (Olivia Hussey) gelegt, ein Mädchen, das auch im Haus untergebracht ist, denn aus irgendeinem Grund scheint es der Killer auf sie abgesehen zu haben. Sie führte eine Beziehung mit Peter (Keir Duella aus „2001"), beendet diese am Anfang des Filmes jedoch. Immer wieder nimmt sie Anrufe des Killers entgegen, die durch beunruhigende Soundmixturen sehr effektiv schockieren und böse Vorahnungen wecken. Zu sehen ist der Killer nie, nur zu hören. Er lockt seine Opfer mit gruseligen Geräuschen an und tötet sie eiskalt berechnend. Die Kamera zeigt dabei höchstens mal seine Hände oder ein Auge, aber nie so viel, dass Gezeigtes Aufschluss über seine Identität geben könnte.

Inszenatorisch lassen sich viele Einflüsse zuordnen. Clark schafft, vor allem inspiriert von italienischen Giallos, mit den gruseligen POV-Shots Aufnahmen, die zu den unheimlichsten der Horrorgeschichte zählen. Einwandfrei ist die Kameraführung und immer ruhig und zum Wichtigen geneigt, sehr kompetent beobachtend und überlegen. Dialoge und einzelne Figuren werden meist in Close-Ups mit hohen Tiefenschärfen festgehalten, während sich in Mordsequenzen Subjektiven des Killers und der Opfer, Weitwinkelaufnahmen aus der Beobachterperspektive und Nahaufnahmen auf die Gesichter der Opfer abwechseln. Dieser Stil erinnert oft an bekannte italienische Horrorfilme von Mario Bava oder Dario Argento, ist aber ungleich sauberer und unblutiger. Diese Inszenierungsweise ist später auch in vielen amerikanische Teenieslashern zu sehen, am ehesten dann in „Halloween". Somit ist „Black Christmas" der wichtigste Meilenstein des Slasherkinos nach Alfred Hitchcocks „Psycho" und Mario Bavas „Blood And Black Lace".

Aber auch abgesehen von den Mordsequenzen, erzeugen die immer sehr beengend nahen Einstellungen innerhalb des Hauses ein klaustrophobisches Gefühl der Unbeweglichkeit. Wo soll man hin, wenn der Mörder plötzlich zuschlägt? Der Zuschauer fühlt sich außerhalb des Hauses wesentlich sicherer - interessanterweise ergeht es den Protagonisten aber genau umgekehrt. Das ist eine fiese Art der Spannung und eine fiese Art mit den Figuren umzugehen, aber sie funktioniert tadellos. Beeindruckend ist auch die Angst vor dem Unbekannten und vor dunklen Vorahnungen, die der Film thematisiert und genüsslich zelebriert. Die Gänsehaut erzeugenden Anrufe erzeugen ein grauenhaftes und fratzenartiges Bild des Mörders, welches jeder nur für sich selbst entwickelt. Die meisten Einstellungen sind außerdem sehr düster und lassen viele Orte unbeleuchtet, so dass die Opfer in ständiger Bedrohung zu schweben scheinen.

Wem nun nur das Remake „Black Christmas" aus dem Jahre 2006 lieb und bekannt ist, könnte dahingehend mit dem Original seine Probleme haben, als dass es doch fast gänzlich auf exzessive Gewaltdarstellungen verzichtet und auch nichts über den Mörder verrät. Das Remake bietet eine Erklärung an und ordnet sich den gängigen Klischees dieser Zeit unter, degradiert sich so zum 08/15-Titel und verbleibt deutlich im schreckerregenden Schatten seines Originals. Im Ganzen ist „Black Christmas" wunderbar gealtert. Frisch wirkt er, weil er kein üblicher Teenieslasher ist, indem die Akteure dem Mörder dummerweise einfach so auf die Klinge springen. Schlicht: Ein intelligent gemachter Horrorfilm.

>> verfasst von Nils Krüger

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