Moviebase Horns

Horns
Horns

Bewertung: 60%

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Originaltitel: Horns
Kinostart: 06.08.2015
DVD/Blu-Ray Verkauf: 17.12.2015
DVD/Blu-Ray Verleih: 17.12.2015
Freigabe: FSK 16
Lauflänge: 97 Minuten
Studio: Mandalay Pictures, Red Granite Pictures
Produktionsjahr: 2012
Regie: Alexandre Aja
Drehbuch: Keith Bunin
Darsteller: Radcliffe, Juno Temple, Max Manghella, Joe Anderson, Kelli Garner

Einiges kann man dem Splatter-Experten Alexandre Aja („The Hills Have Eyes“, „High Tension“) in seiner sechsten Spielfilmregiearbeit vorwerfen, nicht aber, dass er sich hinter ausgelutschten Konventionen und simplen Schockeffekten versteckt. Vielmehr ist „Horns“, eine freie Adaption des in Deutschland unter dem Titel „Teufelszeug“ erschienen Romans von Stephen-King-Sohn Joe Hill, ein buntes Sammelsurium an verschiedenen Ideen, Verweisen und Genreausprägungen. Was den schwarzhumorig-romantischen Schauer-Thriller verhältnismäßig unberechenbar macht. Die häufig abrupt wechselnden Tonlagen bringen die Literaturverfilmung gleichzeitig aber auch ins Wanken, sodass der Zuschauer am Ende einen äußerst zwiespältigen Eindruck gewinnen dürfte.

Als Protagonist tritt uns Ignatius „Ig“ Perrish (Daniel Radcliffe) entgegen, der in seinem Eröffnungskommentar darauf hinweist, dass niemand böse geboren werde und selbst der Teufel ein gefallener Engel sei. Nach dem brutalen Mord an seiner Freundin Merrin (Juno Temple) wird der junge Mann von den meisten Bewohnern seines Heimatkaffs als Täter ausgemacht. Überall muss er Anfeindungen ertragen. Ständig lauern ihm Kamerateams auf. Und selbst seine Eltern scheinen nicht wirklich von der Unschuld ihres Sohnes überzeugt zu sein. Einzig sein Bruder Terry (Joe Anderson) und sein bester Freund Lee (Max Minghella), der den Mordverdächtigen anwaltlich vertritt, schenken seinen Beteuerungen Glauben. Als Ig nach einer alkoholgeschwängerten Nacht verkatert aufwacht, will er seinen Augen beim Blick in den Spiegel zunächst nicht trauen. Aus seinem Kopf wachsen plötzlich zwei Hörner, und die Menschen, mit denen er fortan zusammentrifft, geben auf einmal ihre dunkelsten Gedanken und Geheimnisse preis. Durch die höchst skurrilen Begegnungen kommt Ig irgendwann die Idee, dass ihm seine neue Gabe vielleicht auch bei der Suche nach Merrins Mörder helfen könnte.

Der verschroben-abgründige Kosmos, den Alexandre Aja hier entwirft, erinnert schon früh an die Werke von Regieexzentriker David Lynch. Gleich zu Beginn taucht die Kamera in das Erdreich ab und zitiert damit eine ähnliche Szene aus dem Klassiker „Blue Velvet“ von 1986. Unübersehbar sind die Verbeugungen vor dem düster-mysteriösen Schaffen Lynchs auch in der Darstellung des Handlungsortes, der wie ein Pendant zur Holzfällerstadt Twin Peaks aus der gleichnamigen Fernsehserie erscheint. Immer wieder fahren bei Aja Lastwagen durchs Bild, die mit Baumstämmen beladen sind. Und zudem tauchen an einer Stelle Donuts auf, die in Lynchs bahnbrechender TV-Schöpfung bekanntlich eine prominente Rolle spielen.

Dass „Horns“ neben diesen bildlichen Referenzen auch thematisch an den Kultfilmemacher anschließt, wird spätestens dann ersichtlich, als der Protagonist die übernatürlichen Kräfte seiner Teufelshörner entdeckt und die schöne Fassade der miefigen Kleinstadt zu bröckeln beginnt. Vertraute und unbekannte Menschen legen vor ihm mit einem Mal einen schonungslosen Seelenstriptease hin. Und noch dazu kann Ig durch Berührung seiner Gesprächspartner in ihr Leben und ihre Vergangenheit schauen. Die Hauptfigur und der Betrachter sehen sich auf diese Weise mit dunklen Begierden, animalischen Wünschen und handfesten Aggressionen konfrontiert, die im täglichen Miteinander generell unterdrückt oder kanalisiert werden – Aspekte, die auch David Lynch in seinen Werken nur zu gerne ans Tageslicht holt.

Ig bekommt es unter anderem mit einem Arzt zu tun, der während einer Operation Sex mit einer Krankenschwester hat. Zudem gestehen die Eltern des jungen Manns ihrem Sohn freimütig, dass sie ihn schon immer verachtet haben. Und ein Rudel Reporter lässt sich vom Protagonisten mit der Aussicht auf ein Exklusivinterview zu einer wilden Schlägerei anstiften – um nur einige der vielen skurrilen Beispiele zu nennen. Szenen wie diese wirken nicht so sehr verstörend, sondern sind vielmehr komisch aufgeladen und geben den Nebendarstellern die Möglichkeit, in ihrem Spiel hemmungslos zu überziehen. Da sich die bewusst provozierenden Offenbarungen in ihrer Stoßrichtung jedoch rasch wiederholen, geht der Überraschungseffekt zwangsläufig verloren.

Während sich in M. Night Shyamalans jüngster Regiearbeit „The Visit“ Komik, Schrecken und Tragik halbwegs überzeugend verbinden, gelingt es Aja nicht immer, seine unterschiedlichen Genreansätze in ein stimmiges Gesamtbild zu bringen. Romantische Anflüge – etwa bei den Rückblenden in Igs Kindheit und seine Jugendzeit – vermischen sich mit absurd-schrägen Momenten, Abstechern ins Horrorfach und Szenen, die die Kleinstadttristesse bebildern. Eingebettet ist all dies in eine Whodunit-Struktur, die das Geschehen mit Krimispannung auflädt. So beachtenswert es auch sein mag, dass „Horns“ durch den wilden Mix Erwartungen unterläuft, so sehr leidet der zu lang geratene Film mitunter an seinen krassen atmosphärischen Schwankungen. Spürbar ist dies auch im Finale, das eine schmerzhafte Enthüllung bereithält, allerdings etwas unmotiviert auf Splatter-Einlagen zurückgreift und einige halbgare Spezialeffekte bemüht. Weniger wäre hier mehr gewesen, da die tragisch-düsteren Verwicklungen in der jetzigen Aufmachung in den Hintergrund gedrängt werden.

Hauptdarsteller Daniel Radcliffe macht als teuflischer, innerlich zerrissener Antiheld eine mindestens ordentliche Figur und beweist wie schon im Gruselstreifen „Die Frau in Schwarz“, dass er weitaus mehr kann, als ihm so mancher Beobachter zutraut. Die Zeiten des niedlichen Harry Potters sind eindeutig vorbei. Denn aus dem zarten Brillenträger ist ein junger Mann geworden, der Filme mit seiner Präsenz bereichern kann. Um noch mehr zu glänzen, hätte er in diesem Fall einen Regisseur mit einem Händchen für ein geschicktes Arrangement der unterschiedlichen Versatzstücke gebraucht. Nichtsdestotrotz geht von Ajas Romanadaption eine eigenartige Faszination aus, weshalb man das Gesehene wohl nicht sofort abschütteln wird.

>> von Christopher Diekhaus

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