Moviebase Mandy

Mandy
Mandy

Bewertung: 70%

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Originaltitel: Mandy
Kinostart: 01.11.2018
DVD/Blu-Ray Verkauf: 22.11.2018
DVD/Blu-Ray Verleih: 22.11.2018
Freigabe: FSK 18
Lauflänge: 121 Minuten
Studio: SpectreVision, Umedia, Legion M
Produktionsjahr: 2018
Regie: Panos Cosmatos
Drehbuch: Panos Cosmatos, Aaron Stewart-Ahn
Darsteller: Nicolas Cage, Andrea Riseborough, Linus Roache, Richard Brake, Bill Duke, Ned Dennehy, Clément Baronnet

Einst als Oscar-Preisträger gefeiert, heute als König der B-Movie-Gurken belächelt. Seit seiner schmerzhaft überzeugenden Darbietung im Trinkerdrama „Leaving Las Vegas“ hat der aus der berühmten Coppola-Familie stammende Nicolas Cage einen unglaublichen Karriereweg beschritten. Nicht zuletzt bedingt durch drückende Schulden, sah er sich zunehmend gezwungen, qualitativ fragwürdige Filme zu drehen, in denen er seine berüchtigten Manierismen zum Besten geben konnte. Nur selten gelang es in letzter Zeit einem Regisseur, die häufig ausufernde Spielweise des auch im Privatleben exzentrischen Mimen gewinnbringend einzusetzen. Unter den zahlreichen – meist stumpfsinnigen – Thriller-Werken, die Cage seit 2010 abgedreht hat, ragt zweifelsohne der Hinterlandstreifen „Joe – Die Rache ist sein“ heraus, zu dem sich nun mit dem fiebrigen Höllentrip „Mandy“ von Panos Cosmatos („Beyond the Black Rainbow“), dem Sohn des „Rambo II“-Machers George Pan Cosmatos, endlich eine weitere größtenteils gelungene Produktion gesellt.

Im Jahr 1983 führen der Waldarbeiter Red (Nicolas Cage, „Mom and Dad“) und die Künstlerin Mandy (fragil und verletzlich: Andrea Riseborough, „Hidden – Die Angst holt dich ein“) ein einfaches Leben in der Abgeschiedenheit des südöstlichen Kaliforniens. Als die junge Frau eines Tages dem Sektenführer Jeremiah (ein wunderbar bizarrer Christian-Anders-Verschnitt: Linus Roache, „Vikings“) begegnet, nimmt das Unheil seinen Lauf. Verzückt von ihrer Ausstrahlung, wählt der Guru sie zu seiner neuen Herzensdame und schickt umgehend seine dämonischen Handlanger aus, um Mandy an sich zu binden. Da die Entführte Jeremiah jedoch verspottet, lässt er sie vor den Augen ihres gefesselten Partners grausam ermorden, was diesen schließlich zu einem irrwitzigen, drogengeschwängerten Rachefeldzug animiert.

Der große Hype, den Cosmatos mit seiner zweiten Regiearbeit nach ihrer Premiere auf dem Sundance Film Festival 2018 entfachte, beruht keineswegs auf der Handlung. Vielmehr erzählt „Mandy“ eine simpel gestrickte Vergeltungsgeschichte, die in den Händen eines anderen Filmemachers wahrscheinlich den üblichen Cage-Trash hervorgebracht hätte. Statt ausgeklügelter Drehbuchverrenkungen erwartet den Zuschauer ein hypnotischer Abstieg in den Wahnsinn, der dem Hauptdarsteller ausreichend Gelegenheit bietet, kräftig über die Stränge zu schlagen. Bevor der Star des Horrorthrillers allerdings auf Touren kommen darf, setzt der Regisseur auf Stimmungsimpressionen, die die gegenseitige Zuneigung von Red und Mandy glaubhaft greifbar werden lassen.

Dass ihm die Form deutlich wichtiger ist als der Inhalt, demonstriert Cosmatos von Anfang an. Mithilfe knalliger Farben, künstlicher Lichtquellen, bedrohlich wummernder Klänge (verantwortlich: der Anfang 2018 verstorbene Jóhann Jóhannsson), markanter Zeitlupen und einiger Comic-Einschübe erzeugt der Film eine eigenwillige, surreal anmutende Atmosphäre, mit der ein handfestes Unbehagen einhergeht. Immer wieder fühlt man sich gefangen in einem Traum, der mehr und mehr ins Abgründige kippt und wahrlich verstörende Bilder zu Tage fördert.

Auch wenn es nach rund einer Stunde auf der Ebene des Plots langsam etwas mehr zur Sache geht, weicht Cosmatos nicht von seiner hyperstilisierten Gestaltung ab. Angesichts des erlittenen Traumas und des Drogentrips der Hauptfigur ist es konsequent, dass „Mandy“ weiterhin aus allen filmischen Rohren schießt und das tranceartige Gefühl kontinuierlich verstärkt. Neben diversen blutig-deftigen Kampf- und Meuchelsequenzen und einigen grotesken Randfiguren brennt sich vor allem ein Moment ins Gedächtnis ein: Kurz nach dem Mord an seiner Lebensgefährtin findet sich Red in einem Badezimmer mit psychedelischem Blumenmuster wieder und schreit, während er eine Schnapsflasche hinunterkippt, seinen ganzen Schmerz und seine ganze Wut hinaus. Ein Ausbruch, der dem bis dahin eher zurückhaltend agierenden Cage eine erste Over-the-top-Einlage abverlangt. Mit seinem exaltierten Mienenspiel verleiht er Reds mythisch aufgeladener Jagd auch im Folgenden eine befremdlich-absurde Note.

Den ungehemmten Stilwillen des Regisseurs kann man prätentiös finden. Und die aufreizende Art und Weise, wie der Film das Gezeigte manchmal zerdehnt, dürfte Freunde geradliniger Thriller-Kost zur Weißglut treiben. Unter dem Strich gießt Cosmatos die Erfahrung seines gepeinigten Protagonisten aber in eine angemessen eigenwillige Form und präsentiert dem Publikum ein experimentelles, trotz zweistündiger Laufzeit nie langweiliges, seltsam faszinierendes Gebilde aus farblichen, klanglichen und darstellerischen Eruptionen. Vergessen wird man diesen wilden Ritt, den man unbedingt auf der großen Leinwand sehen sollte, so schnell sicher nicht.

>> von Christopher Diekhaus

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