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Moviebase Lost Highway

Lost Highway
Lost Highway

Bewertung: 92%

Userbewertung: 95%
bei 121 Stimmen

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Originaltitel: Lost Highway
Kinostart: 10.04.1997
DVD/Blu-Ray Verkauf: 03.06.2000
DVD/Blu-Ray Verleih: Unbekannt
Freigabe: Unbekannt
Lauflänge: 135 Minuten
Studio: October Films/ Senator Film
Produktionsjahr: 1996
Regie: David Lynch
Drehbuch: Barry Gifford, David Lynch
Darsteller: Bill Pullman, Patricia Arquette, Balthazar Getty, Jack Nance, Henry Rollins, Robert Blake, Natasha Gregson Wagner, Gary Busey, Robert Loggia, Marilyn Manson, Richard Pryor, Giovanni Ribisi, Scott Coffey, Michael Shamus Wiles

Es ist Nacht und man befindet sich in einem Auto das sich rasend schnell auf einem Highway fortbewegt, dem Lost Highway. Die Dunkelheit der Nacht wird nur von den gelben Fahrbahnmarkierungen durchbrochen – diese Szene wird von David Bowies genial melancholischem „I’m Deranged“ begleitet, welches passender nicht platziert hätte werden können.

Eine Idylle gerät ins Wanken: Seltsame Videos die ihn und seine Frau schlafend zeigen, lassen Angst bei Saxophonist Fred Madison aufkommen. Weiterhin geplagt von Eifersucht verdächtigt er seine Frau Renee, ihn zu betrügen. Unter dem Verdacht, sie auf bestialische Weise ermordet zu haben, wird er plötzlich verhaftet. Während er in der Todeszelle auf seine Hinrichtung wartet, ereignet sich eine unglaubliche Transformation; Fred verwandelt sich in Pete Dayton, einen jungen Automechaniker…

Mein lieber Scholli, das waren exakt die drei Worte, die ich nach Ablaufen des Abspanns von „Lost Highway“ über meine Lippen kamen. Ausgenommen einer kleinen Anhäufung anderer Filme hatte ich selten so ein Erlebnis mit dem Medium Film wie hierbei. Die Verwirrung über das Gesehene und deren Logik sponnen wirre Netze aus Interpretationen und meine Gehirnmasse wurde regelrecht vergewaltigt.

Ja so war das als ich David Lynchs „Lost Highway“ zum ersten Mal sah und glaubt mir, ich konnte es einfach nicht fassen wie ein Film, besser gesagt Regisseur, so etwas mit mir machen konnte. Mit diesem Film musste ich mich endgültig dem Lyn’schem Universum unterwerfen, es sog mich auf und hat mich bis heute nicht mehr losgelassen.

Lynch, der 1977 sein Filmdebüt mit dem herausragenden „Eraserhead“ feierte, erfreute sich schnell dem Rufe des Wunderburschens und lieferte fortan einen Geniestreich nach dem anderen ab. Klassiker der Filmgeschichte wie zum Beispiel „Blue Velvet“, „The Elephantman“ und nicht zu letzt „Mulholland Drive“ für den er den Regiepreis bei den Filmfestspielen in Cannes 2001 gewann.

All seine Filme handeln meist von kuriosen, skurilen oder auf ihre Art ganz besonderen Figuren – sie stechen stets aus ihrem Umfeld heraus. Wie auch bei „Lost Highway“, der von Komplexen und Ängsten geplagte Fred Madison (hervorragend gespielt von Bill Pullman), der lediglich in seinem virtuosen Saxophonspiel Befreiung findet. Das selbe gilt für seine Frau Renee (bezaubernd: Patricia Arquette), die eine wahnsinnig intensive Aura umgibt, welche entzückt und gleichzeitig erschreckend unheimlich wirken kann. Der zynische Mister Eddy, verkörpert durch Robert Loggia und der geniale Robert Blake als dämonischer Mistery Man. Durch die Bank bekommt man sowohl auf schauspielerischem als auch im Film wirkender Charakter beeindruckende Darbietungen präsentiert.

Seinen Charakteren besondere Tiefe und Glaubwürdigkeit zu verleihen, liegt David Lynch perfekt. Während die einen Personen scherzhaft witzeln und dem Zuschauer ein Schmunzeln auf die Lippen malt, wirken nahezu stoische Shots genauso interessant und können den Betrachter ebenso in ihren Bann ziehen. Szenen die selbst nach einmaligem Sehen nicht mehr vergessen werden, sieht man hier am laufenden Band. Der Film beginnt und man befindet sich in einer anderen Welt, die einen komplett in sich aufnimmt und in sämtlichen Belangen fesselt. Die höchst verwirrende Handlung des Films erfordert strenge Konzentration bzw. mehrmaliges Ansehen wird die logische Folge daraus sein. Jede Szene bietet neue Details, unentdeckte Geheimnisse und Hinweise für ein größeres Verständnis des Präsentierten – doch eine vollkommene Musterlösung gibt es nicht. Lynch lässt den Zuschauer bewusst im Unbewussten. Schon viele namhafte Filmkritiker haben sich die Köpfe über die Komplexität, vielleicht auch Genialität dieses Filmes zerbrochen. Obwohl bei jedem weiterem Ansehen meint man hat nun mehr begriffen, wird man bestimmt kurz darauf wieder enttäuscht. Irgendwas passt nie zusammen, die Logik bricht sich immer wieder.

Auch das Hitchcock’sche „Vertigo“-Motiv der Femme Fatale findet hier seine moderne Interpretation in einer meisterlichen Adaption, welches eine große Rolle im Postmodernen Film spielt. Weiter aus geführt wird dieses da „Lost Highway“ sämtliche Kennzeichen eines Film-Noir aufweißt und dadurch einmal mehr die elektrisierende Wirkung des Films verstärkt.

Die Geschichte ist mit normalen logischen Mitteln einfach nicht erklärbar und so werden in „Lost Highway“ eine Unzahl von Anspielungen und Theorien aus Philosophie, Literatur und Kunst entdeckt. Freud und Goethe wären nur zwei Beispiele von vielen. Doch das wohl größte Stilmittel findet sich wohl in der auf die Handlungsebene angewendete Form des Möbiusbandes. Durch seine charakterisierende Krümmung um sich selbst kann kein Anfangs- und Endpunkt festgelegt werden – ebenso verhält es sich mit der Seite des Bandes, da keine Ober- bzw. Unterseite ausgemacht werden kann, wird im Film auch keine Handlungsebene als reale Ebene klar definiert. Lynch spielt hier mit Imagination und Realität, Wünschen und Vorstellungen die in der für den Zuschauer aufgenommenen filmischen Realität zu einer Mixtur aus Verständnis, Verwirrung und Faszination führen. Es entsteht ein alptraumhaftes und schockierendes Filmerlebnis, bei dem man nicht weiß wie einem geschieht. Völlig gegensätzliche Handlungsstränge treffen auf den Zuschauer und ziehen ihn in einen Mikrokosmos aus Angst, Perversion und blankem Horror.

Wunderbar gefilmte Szenen, die durch die gewohnt geniale Kamera Lynchs bestechen, sind zu sehen. Einmal sanft und ruhig, fast behutsam (teils auch stoisch) werden die dunklen Ecken des Madison Hauses erkundet und erzeugen intensivste Spannung beim Betrachter. Als wäre man selbst ein Fremder in diesem Haus wandert man hindurch und ist permanent auf einen möglichen Schock konzentriert. Doch nicht nur der Zuschauer fühlt sich alleine und ängstlich, auch die Protagonisten gehen förmlich in den dunklen Winkeln verloren, somit werden Gefühle und Emotionen der Personen verdeutlicht und veranschaulicht.

Diesen extrem ruhigen Kameraeinstellungen stehen hektische und schnelle Aufnahmen gegenüber, welche mit heftigen Schnitten aufrütteln. Die Bilder wirken aktiv auf den Betrachter ein und beeinflussen dessen Beobachtung – Augen und Hirn werden nahezu stimuliert und schließen den Zuschauer komplett mit ein. Er befindet sich in einer Bilderflut aus optischen Reizen und deren schneller Abfolge. Schockmomente wechseln sich mit furcheinflößenden Einstellungen ab, treffen aufeinander und entwickeln sich im selben Moment in die alptraumhaften Stilleinstellungen von vorhin. Im Wechselbad aus Eindrücken, Gefühlen und Unbegreiflichkeit, findet man sich selbst völlig fasziniert bei „Lost Highway“ wieder.

Die göttliche musikalische Umsetzung des Werkes stammt einmal mehr aus der Feder von Angelo Badalamenti. Tiefe Bassläufe, eine leises Rumoren, mechanisches Gesurre trifft auf klassische Jazzmusik, elektronische Drum`n´Bass Musik von Cafe del Mar. Doch das ist noch längst nicht Alles, eine zu tiefst beindruckende Szene mit Patricia Arquette, wird vom Industrial und Gothrocker Marilyn Manson mit dem Lied „I put a spell on you“ begleitet. Mehrmals finden sich auch Titel der deutschen Industrialband Rammstein wieder die sich musikalisch, wie auch lyrisch perfekt mit dem Visuellen ergänzen.

Schier unbeschreiblich was man hier zu sehen/hören bekommt. Dieser Film lässt einen nicht mehr los und brennt sich tief in das Hirn des Zuschauers, wo er einen bleibenden Eindruck hinterlässt. Ein Eindruck wie man ihn wirklich sehr selten zu spüren bekommt: hilf- und sprachlos findet man sich nach 135 Minuten in der normalen Welt wieder. Fragen über Fragen kommen auf, welcher man sich einer Antwort erwünscht. Wie kann ein Regisseur so was erschaffen, wie kann ein Film dermaßen intensiv auf einen selbst einwirken? Eine sogartige Aura umgibt diesen Film, welcher man sich nicht entziehen kann, besser gesagt mag. Ein Geniestreich auf ganzer Linie! David Lynch hat unter Anderem, aber durchaus stark, meine Welt verändert. Mein Denken über die Kunstform Film wurde revolutioniert und ich bin wirklich dankbar für dieses Werk – David Lynch ohnehin mein Lieblingsregisseur kann von mir nur noch in den Himmel gelobt werden, denn „Lost Highway“ ist ein Meisterwerk des Modernen Films. Hut ab!

>> geschrieben von Benjamin Johann

100%
Eleonora
geschrieben am 05.12.2011 um 04:47 Uhr
Dieser Film ist ein absolutes Meisterwerk und meiner Meinung nach einer der besten Filme David Lynchs. Lasst euch nicht abschrecken von den ersten 20 Minuten - sich haben ihre Daseinsberechtigung !Die Bilder, die Musik, die Verworrenheit der Figuren - wer dachte Donnie Darko wäre schwer zu interpretieren der wird hier absolut an seine Grenzen gebracht. Ein Film der großartig anders ist - ANSCHAUEN !!!
80%
Blizack
geschrieben am 21.09.2011 um 22:25 Uhr
@kirc scheinst ja voll den durchblick zu haben... MH Dr. is ein meilenstein.......noch ein gnazes stück besser als lost highway
30%
kirc
geschrieben am 10.04.2008 um 19:00 Uhr
Lange hab ich versucht mir den Film und den Rest der Lynch-Trilogien schön zu reden doch nun ist es vorbei.Ich mag tiefgründige Filme wo man die Ohren angespitzt haben muss um das Finale des Films zu verstehen. Aber das geht mir eindeutig zu weit da man absolut keine Möglichkeit hat zu filtern was bedeutungslos/bedeutungsvoll ist und meiner Meinung nach der Film nur so oft gedreht wird um einen gewissen Kult hervorzurufen. 30% gibts nur weil Mullholland Drive noch schlechter ist.
100%
waagemensch
geschrieben am 12.02.2007 um 16:00 Uhr
Der Film ist mal wieder so gut, dass man kaum was dazu schreiben braucht.Die schauspielerische Leistung der Schauspieler ist sehr exzellent, die Story ist erste Klasse ( wie gewöhnlich für Lynch) und die Atmosphäre ist dieses mal besonders beunruhigend.Die meiner Meinung nach krasseste Szene die es jemals ohne Blut gab ist die auf der Party mit dem " Mystery Man" und dem Telefon.Ich habe selten eine Sequenz in einem Film erlebt, die dermaßen beunruhigend war wie diese.Man hat das Gefühl in einem wahren Albtraum zu sein und das ist nicht nur so dahingeredet.Der ganze Film ist voll von beunruhigender Atmosphäre, guter Musik, genialen Charakteren den typischen Lynch Elementen.Ich liebe diesen Film der natürlich auch ein einziger Kunstfilm ist.Aber auch hier gilt, dass man schon für sowas ein wenig den Kopf haben muss um den Film hundert prozentig genießen zu können... Aber wer Lynch kennt der weiß was ich meine.
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