Moviebase Antichrist

Antichrist
Antichrist

Bewertung: 60%

Userbewertung: 80%
bei 102 Stimmen

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Originaltitel: Antichrist
Kinostart: 10.09.2009
DVD/Blu-Ray Verkauf: 18.03.2010
DVD/Blu-Ray Verleih: Unbekannt
Freigabe: FSK 18
Lauflänge: 104 Minuten
Studio: Zentropa Entertainment / MFA+
Produktionsjahr: 2009
Regie: Lars von Trier
Drehbuch: Lars von Trier
Darsteller: Willem Dafoe, Charlotte Gainsbourg, Storm Acheche Sahlstrøm

Das schnell gelangweilte, ungeduldige Publikum in Cannes zu schocken und sprachlos zu machen, das schaffen nur die wenigsten. Lars von Trier ist genau dieses Kunststück gelungen. Sein Antichrist provozierte unter den Anwesenden extreme Reaktionen, die von kompletter Ablehnung bis geradezu überschwänglicher Begeisterung so ziemlich jede Meinungsäußerung abdeckten. In der Tat mutet von Trier auch dieses Mal seinem Publikum einiges zu. Mehrmals überschreitet er Grenzen, von denen man noch wenige Minuten zuvor glaubte, dass sich selbst das dänische Enfant terrible niemals über sie hinwegsetzen würde. Doch der streitbare Regisseur kennt kein Pardon und mit uns Zuschauer keine Gnade. 

Antichrist eröffnet mit einem wunderschönen und zugleich beängstigenden Prolog. Zur Musik Georg Friedrich Händels schildert von Trier einen tragischen Unfall, der das Leben eines Elternpaares für immer verändern soll. Während SIE (couragiert bis zur Selbstaufgabe: Charlotte Gainsbourg) und ER (Willem Dafoe) leidenschaftlichen Sex miteinander haben, verlässt ihr kleiner Sohn Nick unbemerkt sein Bettchen. Angelockt von den hereinwehenden Schneeflocken klettert er auf das Fensterbrett. Dann geschieht es. Nick rutscht aus und stürzt mehrere Meter in die Tiefe. All das hält von Trier in Zeitlupe fest, was nochmals für eine besondere Unruhe sorgt. 

Der Tod des einzigen Kindes ruft in IHR eine schwere Depression hervor, von der ER glaubt, ER könne sie behandeln. Schließlich ist er Psychiater und geübt im Umgang mit traumatisierten Seelen. Der Ort der Therapie, eine einsame Hütte in einem finsteren Wald, lässt dann allerdings erste Zweifel am Erfolg des Unterfangens aufkommen. Selbst wer mit von Triers pessimistischem Weltbild nicht vertraut ist, ahnt, dass die Sache kein gutes Ende nehmen kann. Zwar sieht es zwischenzeitlich so aus, als habe sie ihren Lebensmut wiedergefunden, ihr flapsiges „Du hast mich geheilt!“ klingt jedoch wie auswendig gelernt. Am Ende dann hat Antichrist unsere schlimmsten Befürchtungen mit Leichtigkeit eingeholt. 

Die Frage, ob sich der Film tatsächlich in der Kategorie „Horror“ einordnen lässt, wirft gewisse Zweifel auf. Natürlich finden sich vor allem zum Ende hin klassische Horrorelemente wie die zunehmend düstere, bedrohliche Stimmung und die eine oder andere äußerst unappetitliche Szene. Andererseits entzieht sich Antichrist über weite Strecken der bekannten Spannungs-Dramaturgie des Thriller- und Horror-Genres. Von Trier schickt seine beiden Protagonisten stattdessen auf eine mitunter recht ermüdende und zähe Reise, in deren Verlauf vieles zerredet und bis zur Erschöpfung ausdiskutiert wird. In der Ausführlichkeit, wie hier zwei Menschen gegenseitig ihr Unverständnis über den anderen ausdrücken – auch er durchschaut erst viel zu spät, was wirklich in seiner Frau vorgeht –, ähnelt der Film mehr einem zerstörerischen Beziehungsdrama.  

Der Vergleich mit Ingmar Bergmans Szenen einer Ehe liegt zumindest lange Zeit näher als der mit William Friedkins Der Exorzist. Dabei wirft von Trier mit (christlicher) Symbolik nur so um sich. Das fängt beim Namen der verlassenen Hütte an („Eden“) und endet bei einem rauschhaften Liebesakt in den Wurzeln eines alttestamentarisch anmutenden Baumes. Ohnehin bleibt die Vertreibung aus dem Paradies als Bild ständig präsent und die Analogie zum ersten Sündenfall unübersehbar. Es drängt sich bisweilen der Eindruck auf, dass es dem Regisseur vornehmlich um das Ausleben seiner klerikalen Aversionen gegangen sein muss. 

Mehr noch als für seine expliziten Sex- und Gewaltszenen wurde der Däne für das auch in Antichrist vorherrschende Frauenbild getadelt. Der Vorwurf der Frauenfeindlichkeit klebt schon lange an ihm und mit seinem neuen Film, soviel ist sicher, wird er diesen gewiss nicht los. Mit ihrer Verwandlung zur klammernden Furie bestätigt die weibliche Hauptfigur sämtliche Vorurteile über von Triers angebliche Misogynie. Dabei sind Frauen für ihn keinesfalls verschlagene Wesen, es ist mehr eine diffuse Angst, die ihn in Bezug auf das weibliche Geschlecht und dessen Sexualität umtreibt. Nicht zuletzt – das sollte man bei einem geübten Selbstdarsteller wie Lars von Trier immer bedenken – eignet sich das Thema hervorragend zu PR-Zwecken. 

Dass der Film das Produkt einer tiefen Depression von Triers sein soll, glaubt man hingegen sofort. Antichrist versteht es nämlich trotz allen Leerlaufs mit seiner (selbst-)zerstörerischen, pervertierten Aura aus geheimen Sehnsüchten und Ängsten gehörig zu irritieren und zu verunsichern. Die Bilder, die von Trier hier findet, wollen einen so schnell nicht mehr aus dem Kopf gehen. Dem exzentrischen Misanthropen wird es freuen.

>> verfasst von Marcus Wessel

100%
Bartel
geschrieben am 16.09.2011 um 07:40 Uhr
AB SOFORT WIRD DIE KIRCHENSTEUER WIEDER GERNE BEZAHLT:Lars von Triers ANTICHRISTANALYSE:Als treuer Christ war es für mich eine Pflicht, dieses moderne Märchen der Gegenwart anzuschauen.Für MOI war es nicht nur ein einfacher Kinobesuch, sondern vielmehr eine Predigt von geradezuhimmlischer Pompösität.Dem Priester dieses Gebetes, ach was sag ich... dieses Hohelieds, Lars von Trier, gelingt es auf einfühlsame Art und Weise die Geschichte vom Förster aus dem Silberwald, auf direktem Wege in das 21. Jahrhundert hineinzupreisen! Der heidnische Heimat-Plot ist schell erklärt:Zu Beginn des Films ("JETZT GEHTS LOS! JETZT GEHTS LOS!") kommt es gleich zum ersten "Cliffhanger", (ACHTUNG: BROILER!) als der 3jährige Sohnemann (aka "Lausbub"), der in der Waschküche schnaxelnden Eltern, sich im Basejump bemüht und sofort eine volle Punktladung (wie sie einst nur Möllemann gelang) hinlegt! DIE MULTPLE FILMSTÖRUNG vermutet: HÖCHSTWAHRSCHEINLICH ANFÄNGERGLÜCK! Geschockt von diesem traumatischen Sportereignis beschließen die Eltern in den Wald zu fahren, um die neu gewonnene Freiheit vollkommen auszukosten bzw auszulotsen:Jenseits vom Windeln wechseln, KITA-Pendeln und dem ewig gleichen "Heia-Heia-Lieder Gesängen", finden sie "BackWoods trough the roots and evil moods"...Die Einsamkeit des Garten Edens bringt Sie schnell auf Touren und sie üben sich in Tiger Woods Königsdisziplin: Forst-Golfen? Falsch geraten! "Ein-LOCHEN" ist das STICHwort: Es wird gefickt was das Zeug hält!Egal ob im bzw. auf dem Gras (KRASS!) oder unter dem verwurzelten Geäst der schattig teutonisch anmutenden Bäumen (inklusive der Fremdbefingerung einer kompletten Wurzelsepp-Sippschaft):Es flutscht wie Butter, es staunt der Luther!Die Frau (realistisch hysterisch: Charlotte Gainsbourg) zeigt hier wer wirklich die Hosen an hat.Dafür hat man ihr dann auch in Cannes Einen von der goldenen Palme gewedelt.Geschickt täuscht Sie ihrem Mann (intensives, facettenreiches Spiel vom grünen Goblin Willem Dafoe) immer wieder traumatische Anfälle sowie diverse Orgasmen vor, nur um sich ein paar Sekunden später erneut vom Gatten begatten zu lassen.ER, also Adam, Dr. Ficktherapeut schlechthin, hat natürlich den Braten schon längst gerochen, gibt sich aber leidig bemüht mitzuspielen um das PMS-bedröhnte(für alle Nicht-Bluter: PMS das Post Menstruale Syndrom)Frauchen, nicht vollends am Mühlrad drehen zu lassen!Dies kennt man ja schon aus der blauen Lagune.Also lässt man selbst, als aktiver Cineast, langsam (trotz oder gerade wegen Madame Gainsbourgs fehlender Oberweite) seine Hand in die Hose gleiten, ohne sie aber vorher nicht ausgiebig mit Waldschrat-Schmiere einzufetten!Plötzlich nimmt der Film aber eine ver- bzw. bezaubernde Wendung, als die drei Graddler(für alle Nicht-Franken: the three hobos also echte Obdachlose!) und ohne größere Vorscheife ins gottlose Sex-Spiel "kommen"...Hierbei handelt es sich um Fabelwesen, so unschuldig und rein, das jeder mordgeile Förster sofort die Flinte ins Korn schmeisen würde um sich zu ergeben.Was (nennen wir sie) Bambi, Foxy & Scarecrow hier an vollkommen "natürlich" anmutenden Schauspielperformances abliefernhaben selbst erfahrene Vielseher seit"THE GOOD, THE BAD & THE UGLY" nicht mehr gesehen. Mit ihrer einzigartigen Leinwandpräsenz und den unvergesslichen Dialogen (bzw. des Monologs von Herrn Fuchs...) spielen sie das, sich bereits entfremdete Duo Dafoe/Gainsbourg mit autistischer NELLisch-neckischer Leichtigkeit, an die Wand oder besser gesagt an den Baumstamm!Der Clou dabei:Die drei Graddler wurden von Gott geschickt damit sie das, sich im Ekstaserausch befindende Pärchen, wieder auf den Waldboden "runterholen".Endlich nimmt der Film an Fahrt auf.Vergebens versuchen die tierischen Landstreicher dem bunten Treiben ein Ende zu bereiten,...doch sie haben leider nicht mit den ausge"fuchsten" Sexuqualpraktiken der beiden Rammler gerechnet!Mit Schlägen auf den Penis und Massakermasturbation pimpern sich die beiden geradezu viagral-sakral in den Himmel der Lust, worauf der Film wieder eine (für mich unerklärliche) Wendung nimmt:Van Trier scheut anscheinend keine Logiklöcher und macht dieser ganzen Schweinerei alsbald ein klotzhölzernes Ende:Die Frau, nun wieder bei klaren Verstand, sieht ihren Lebensabschnittsgefährten nur noch als eine Art Klotz am Bein und setzt dies eindrucksvoll (und mit, für eine Frau erstaunlich kompetenter handwerklicher Begabung) sofort in die Tat um.Der Mann, um sein "Samstag Abend Bundesliga gucken" Rituals betrogen. ergreift augenblicklich die Flucht.Was folgt ist eine, im wahrsten Sinne des Wortes ge(be)schnittene Szene:Eva will sich, als Ausdruck ihrer Emanzipation, ein klein wenig die Schaamhaare zurechtstutzen doch ungeschickt wie Frauen eben von Natur aus sind, gibt Sie ihren äusseren Innereien (Clits & Shamelips) den allerletzten Schliff! Igitt! Bei dieser Szene haben selbst die im Kinosaal anwesenden Gynäkologen die Hände vors Gesicht geschlagen!Auch Bambi & CO. können für die Dame nichts mehr tun. Schnell wird Sie von der Waldfauna-Gang als Antichrist gebrandmarkt. So bleibt dem bibeltreuen Ehemann nichts anderes übrig als dem Ganzen Zenober ein Ende zu bereiten!DIAGNOSE:PUUUH,...geschafft!Van Trier setzt hier mit bunten bewegenden Bildern einen der besten Fantasyhits der letzten zehn Jahre in Szene.Er verzichtet dabei völlig auf frauenfeindliche Inhalte (bzw seinem Steckenpferd).Geschickt gelingt ihm eine Grab-wanderung zwischen Romantik;- Natur- und Heimatfilm ohne dabei den lebenswichtigen kunstpolitischen Kontext der Moderne in Frage zu stellen!Schon heute ein Kult und Lehrfilm für alle angehenden Förster!
10%
Komo
geschrieben am 08.05.2010 um 01:00 Uhr
Der Film ist einfach nur langweilig, man wartet und wartet und nichts Spannendes passiert. Lieber Finger weg von dem Teil.
10%
Melle
geschrieben am 23.04.2010 um 00:00 Uhr
Sorry, aber der Film ist für mein Geschmack langweilig. Hab Ihn mir ausgeliehen und bin nach ca. nach 20 Minuten eingeschlafen. Das einzige was nachdenklich stimmt ist der Anfang. Eine Frau und ein Mann schlafen miteinander und währenddessen stirbt das Kind, mh schon komisch und naja wie würde man sich selbst fühlen? Aber nach dem Anfang wird es einfach nur langweilich. Es ist einfach Geschmackssache.
90%
Felix
geschrieben am 04.01.2010 um 22:00 Uhr
Der Film hat etwas, was anderen Filmen (insbesondere dieses Genres) absulot abhanden gekommen ist: den Mut neues zu versuchen.Zwar kann ich Antichrist nicht zu meinen Lieblingsfilmen zählen, jedoch hat dieser Film auch nicht einen solchen Anspruch. Die starke Abstraktion auf die Geschichte welche frei von unnützen Spielerein ist hat mich fasziniert.Jedem der einen Film nicht nur guckt um stumpfsinnig unterhalten zu werden oder sich rohe Gewaltsorgien ohne Sinn und Verstand ala Saw angucken möchte kann ich Antichrist sehr empfehlen.
70%
Micha
geschrieben am 03.12.2009 um 00:00 Uhr
Habe den Kunst-Horror gestern im Kino gesehn! Der Saal war gut besucht und ich fand den Streifen teils langweilig, aber nachdenklich, teils schockierend und überraschend! Ein sehr abstrakter und psychotraumatischer Film mit sehr guten Schauspielern den man entweder zu schätzen weiß oder eben gar nicht! Ich finde persönlich: Schaut euch den Film einfach mal an! Fand ihn selbst mal was Anderes!
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