Interview – House of the Dead 2 Autoren Rösch und Scheerer

Wir hatten die Möglichkeit, ein paar Worte mit Michael Rösch und Peter Scheerer zu wechseln. Beide sind bestens bekannt für ihre Drehbücher für Filme wie Alone in the Dark und House of the Dead. In den USA erscheint demnächst ihr neustes Werk House of the Dead 2, bei dem das Team ebenfalls für das Drehbuch verantwortlich war. Mit Brotherhood of Blood begingen sie den ersten Schritt in Richtung Selbstständigkeit und nahmen bei ihrem Vampir-Horror zum ersten Mal selbst auf dem Regiestuhl platz. Der große Erfolg und die kürzliche Zusammenarbeit mit Schauspielern wie Sid Haig und Ken Foree bleibt natürlich nicht unbemerkt – was passiert lest ihr am besten im unteren Text. Übrigens bietet sich Euch demnächst auch die Chance, beide mit Fragen zu löchern, denn sie stehen am 25. Februar in einem LiveChat Rede und Antwort. Am besten gleich rot im Kalender einstreichen und ab 15 Uhr im BW Chat anwesend sein. Hier nun aber endlich zu den Fragen:

– Es ist nun schon eine ganze Weile vergangen, als wir Euch zum letzten Mal interviewed haben. Wie sieht die Zukunft aus?

Peter: Wir hoffen sehr gut! Wir haben gerade in Los Angeles unseren Film „Brotherhood of Blood“ abgedreht, und sind nun in der Postproduktion.

Michael: Die Postproduktion wird noch 6 oder 7 Monate dauern, so das der Film diesen Herbst oder Winter in den USA starten kann.

– Mit Brotherhood of Blood steht Ihr nun erstmals selbst hinter der Kamera. Wie gestaltete sich die Zusammenarbeit mit Ken Foree und Sid Haig und wie verlief die Produktion?

Michael: Die Produktion lief sehr gut! Es war eine großartige Erfahrung, selbst Regie zu führen. Und die Zusammenarbeit mit Sid Haig und Ken Foree war sehr gut, beide waren immer hervorragend vorbereitet, und haben eine tolle Leistung abgeliefert.
Für uns als Horror-Fans war es natürlich großartig, mit zwei Horror-Legenden wie Sid und Ken zusammenarbeiten zu dürfen.

Peter: Als wir das Projekt vor zwei Jahren begonnen hatten, war es als kleines Underground-Projekt geplant. Wir hatten gehofft, vielleicht ein oder zwei gute Schauspieler zu bekommen.
Doch dann begann das Drehbuch in Hollywood zu kursieren, und kam bei Agenten und Schauspielern hervorragend an. Viele verglichen die Struktur mit Filmen wie „City of God“ oder „Memento“. So interessierten sich mehr und mehr Schauspieler für das Projekt, und schließlich spielten Horror-Legenden wie Sid Haig und Ken Foree bei uns mit.
Es hat uns auch sehr gefreut, dass wir Victoria Pratt bekommen konnten, die aus „Mutant X“ und „House of the Dead 2“ bekannt ist und nun gerade mit Cuba Gooding Jr. vor der Kamera steht.

– Kommen wir zu „House of the Dead 2“, dem Nachfolger zum erfolgreichen Erstling, bei dem Ihr ebenfalls das Drehbuch abgeliefert habt. Welche Elemente wurden eingebaut, um den Nachfolger besser zu machen?




Peter: Wir hatten ja mit dem Drehbuch zu „House of the Dead 2“ schon begonnen, bevor der erste Teil ins Kino kam. Es war damals schon klar, dass der Nachfolger in eine ganz andere Richtung gehen sollte.

Michael: Weder Uwe noch die Produzenten waren mit dem ersten Teil richtig zufrieden. Das Drehbuch für den ersten Teil, mit Teenagern auf Rave-Partys, hat einfach nicht zu den Videospielen gepaßt.
So war uns klar, das wir ein Drehbuch entwickeln wollten, das näher an der Videospielserie ist. Wir haben uns deshalb auf die AMS Agenten und ihren Kampf gegen die Zombie-Horden konzentriert.

– HotD2 wird in den USA direkt im TV ausgestrahlt. Ist der Film einfach zu schlecht geworden oder wie erklärt Ihr euch die straight to cable Auswertung?

Michael: Der Film hat zum Glück recht gute Bewertungen der Zuschauer und auch ganz ordentliche Kritiken bekommen. Aber der SciFi Channel hat Lions Gate wohl ein sehr gutes Angebot gemacht. Ursprünglich war immer wieder von einer Kinoauswertung die Rede, aber wie gesagt, dann hatte Lions Gate wohl ein sehr gutes Angebot des SciFi Channel bekommen.

Peter: Der Film hatte ein vergleichsweise geringes Budget. In dieser Größenordnung ist es eher die Ausnahme eine Kinoauswertung zu haben – bei der einfach ein vielfaches des Budgets allein für die Werbung notwendig ist. Das war einfach eine finanzielle Frage von Lionsgate.

– Die House of the Dead Spielereihe ist ja nicht gerade für eine voluminöse Story bekannt. Worin liegt die Schwierigkeit, basierend auf einem eher inhaltslosen Spiel, ein Drehbuch zu entwickeln?

Peter: Eine Schwierigkeit ist immer, die Erwartungen der Fans nicht zu sehr zu enttäuschen. Die Fans kennen das Spiel natürlich und haben ihre Vorstellungen und Wünsche, wie ein Film aussehen soll und ebenso die Produzenten des Films. Oft sind diese Vorstellungen nicht identisch. Als Drehbuchautor muß man nun die Kernelemente aus dem Spiel heraussuchen und damit eine neue Handlung konstruieren. Im Falle von House of the Dead war das recht einfach: Eine Spezialeinheit kämpft gegen Zombies. Bei einem einfach konstruiertem Spiel ist es in der Regel leichter einen Ansatz für ein Drehbuch zu finden als bei einem Spiel, dessen Story schon einen ausgefeilteren Eindruck macht. Spiele und Filme sind zwei unterschiedliche Medien. Und der Hauptanreitz von Spielen ist nun mal das selbst involviert sein – was bei Filmen natürlich fehlt.

Michael: HOUSE OF THE DEAD 2 folgt einem Platoon von AMS Special Forces in ein College Campus, das von Zombies überrannt wurde. Hier in diesem Campus, vermuten die Wissenschaftler, ist der Ur-Zombie entstanden, der die ganze Zombie-Epidemie ausgelöst hat.
Wenn es den AMS Agenten gelänge, DNS-Material dieses Ur-Zombies zu sichern, könnte ein Gegenmittel entwickelt werden. Doch umso tiefer der AMS Platoon in den Campus vordringt, umso gefährlicher werden die Zombies.
Noch ahnen die AMS Agenten nicht, das sie längst den Punkt überschritten haben, an dem eine sichere Rückkehr noch möglich wäre…





– In unserem LiveChat verriet Uwe Boll, dass er die Drehbücher zu seinen Filmen nun wieder selbst schreiben will, da sie der Hauptkritikpunkt an seinen Filmen seien. Seht Ihr das als Kritik an Eurem Können? Wie sieht die zukünftige Zusammenarbeit mit ihm aus?

Michael: Nein, wir sehen das nicht als Kritik an unserer Arbeit. Uwe hat ja schon immer mit einer Vielzahl von Autoren zusammengearbeitet, sei es Guinevere Turner bei Bloodrayne, Mark Altman bei House of the Dead, David Freeman bei Dungeon´s Siege oder Elan Mastai, der mehrere weitere Fassungen für ALONE IN THE DARK geschrieben hat.

Peter: Vielmehr ist es wohl so, dass Uwe zu den Wurzeln zurückkehren möchte. Er ist ja auch Autor, er hat am Anfang die Drehbücher zu seinen Filmen selbst geschrieben.
Und bei Postal wird er seinen ganz eigenen Stil miteinbringen, eine Art von Humor wie er schon bei German Fried Movie zu sehen war. Ich glaube, bei Postal hat Uwe so spezifische Vorstellungen, dass es schwer wäre, hier einen anderen Autor einzubinden.

– Wo nehmt ihr die ganzen Ideen für Eure Geschichten her? Wird man nicht müde, immer wieder neue Charaktere, Schauplätze etc. zu erfinden?




Peter: Eigentlich sind die Ideen nicht der schwierigste Part am Drehbuchschreiben. Das schwierige ist, die Ideen so mit Leben zu füllen und in eine Struktur zu gießen, dass daraus ein funktionierendes, 100 bis 120 Seiten langes Drehbuch wird.

Michael: Mal ist es einfacher, mal schwieriger, die Ideen zu entwickeln. Aber es macht immer Spaß. Gerade arbeiten wir an Konzepten für unser nächstes Regie-Projekt nach BROTHERHOOD OF BLOOD. Es wird auch diesmal ein Horror-Film!

– Man sieht, dass Ihr dem Horror/Action-Genre sehr nah steht. Hättet Ihr Interesse, auch einmal eine Produktion in einem anderen Genre in Angriff zu nehmen?

Michael: Da gäbe es sicher auch spannende Projekte in anderen Genres! Mal sehen, was so auf uns zu kommt. Aber natürlich sind wir große Horror-Fans.

Peter: Zur Zeit fühlen wir uns im Horror-Genre sehr wohl. Hier können die Fans sicher noch einiges von uns erwarten!

– Wie hat sich Euer Arbeits- und Privatleben seit den großen Erfolgen mit „Alone in the Dark“ und „House of the Dead“ verändert?



Peter: Das ist eine interessante Frage. Es hat sich sehr viel geändert, aber nicht in dem Sinne, dass von einem Moment auf den nächsten alles anders geworden wäre. Es war vielmehr eine langsame Änderung und manchmal sind wir selbst überrascht, wie selbstverständlich man mit Menschen zu tun hat, die man vor ein paar Jahren nur aus dem Fernsehen kannte.
Drehbuchschreiben und Filme machen ist vor allem unglaublich viel Arbeit, viele, viele Tage in denen man bis spät Nachts am Schreibtisch oder im Studio sitzt. Filmemachen hat (leider) viel mehr mit Arbeit zu tun als mit Partys und Frauen.

Michael: Wenn man dann aber einen Moment innehält, dann ist es schon erstaunlich, wie sich alles entwickelt hat. Wir haben schon in der Schule auf einer alten Super 8 Kamera kurze Horror- und Actionfilme gedreht, und immer davon geträumt, nach Hollywood zu kommen.
Wenn man dann tatsächlich auf seinem eigenen Set in Los Angeles steht, in einem Studio, in dem vor zwei Wochen noch David Lynch gedreht hat, und gerade die Kulissen für unseren eigenen Film BROTHERHOOD OF BLOOD gebaut werden, dann ist das ein großartiges Gefühl.

– Nehmen wir an, Ihr wärt 30 Jahre früher geboren worden. Wie hättet Ihr euer Filmschaffen in den 70er Jahren gestaltet?

Michael: Sicher wären wir voll in die damals aufkommende Special Effects Welle mit reingekommen. Es war ja schon phänomenal, was sich damals alles entwickelt hat, innerhalb weniger Jahre.




Peter: Es wäre anders gewesen, aber sicher wären wir auch in der Filmindustrie gelandet. Am einfachsten hätten wir wohl Star Wars zwei Jahre vor George Lucas gedreht.

– Wenn Ihr etwas am Filmemachen in Deutschland verändert könntet, was wäre das? Wie sieht die Zukunft für deutsche (Genre-) Filme am interantionalen Markt aus?

Peter: In Deutschland fehlt einfach der Markt für Genre-Produktionen. Horror z. B. hat sich nie richtig durchsetzen können. Das sieht man ja an vielen Horror-Titeln die in Amerika auf Platz eins starten, und dann in Deutschland nur auf einem der hinteren Plätze der Charts landen.

Michael: Das Problem ist zudem, das die internationalen Käufer lieber Filme kaufen, die in Amerika und in englischer Sprache gedreht wurden. Das zu ändern, wäre sehr schwierig.
Deshalb wird es wahrscheinlich dabei bleiben, dass die Filmemacher nach Amerika gehen, statt dass die Filme nach Deutschland kommen.

– Durch Eure Produktion seid Ihr natürlich viel unterwegs. Wahlheimat: Deutschland oder doch eher Amerika?

Michael: Ja, in den letzten vier oder fünf Jahren waren wir wirklich viel unterwegs! Ich freue mich immer, wenn ich wieder in Deutschland ankomme. Aber in Los Angeles fühle ich mich besonders wohl. Da trägt natürlich dazu bei, das die ganze Stadt voller Filmemacher ist. Und natürlich das angenehmen Klima. Wie heißt es so schön: Ein Winter in LA (wo es selbst im Dezember/ Januar noch 15 Grad Plus hat), und man ist für New York verloren. Oder für Deutschland, wo es ja gerade auch sehr kalt ist!

Peter: Das Pendeln zwischen zwei Welten hat eigentlich seinen Reiz. Man sieht die Probleme im jeweiligen Land entspannter und relativierter. Dank guter Flugverbindungen muß man sich heute zum Glück nicht mehr für das eine Land und gegen das andere entscheiden.

Vielen Dank an Peter und Michael für das Interview

Geschrieben am 16.02.2006 von Torsten Schrader
Kategorie(n): News


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