Zimmer 205 – Unheimliche Begegnungen in Berlin: Am Set der Produktion

In diesem Winter rufen Rainer Matsutani (Gangs oder 666 – Traue keinem, mit dem du schläfst) und Neue Schönhauser Filmproduktion zur deutschen Neuverfilmung der dänischen Genre-Produktion Kollegiet (Room 205). Wir waren für Euch am Berliner Set der Zimmer 205 betitelten Produktion, die Kinowelt Filmverleih in den deutschen Kinos auswerten wird. Ein ausführlicher Bericht und erste Behind the Scenes-Bilder präsentieren wir ab sofort im Anhang dieser Meldung. Katrin (Jennifer Ulrich) kann es kaum erwarten, mit ihrem Studium zu beginnen. Endlich weg von zu Hause und dem überfürsorglichen Vater, endlich weg von einer düsteren Vergangenheit, endlich ein neuer Lebensabschnitt… endlich Freiheit! Als Katrin ihr Zimmer im Studentenwohnheim beziehen will, ist nur noch Zimmer 205 frei, das lange Zeit aus mysteriösen Gründen leer stand. Aber darüber macht sich Katrin keine Gedanken. Voller Elan startet sie in ihr erstes Semester, tagsüber Vorlesungen, neue Bekanntschaften, abends Partys, Drogen und Sex. Doch bald wird sie Zeugin schreckenerregender Ereignisse.

Am Set der deutschen Genre-Produktion „Zimmer 205“

Einen passenderen Drehort als das Helios-Krankenhausgelände in Berlin-Buch kann man wohl schwerlich finden, schießt es einem durch den Kopf, wenn man das weitläufige Gelände zum ersten Mal betritt. Verwitterte und düstere alte Villen säumen die von großen, knorrigen Bäumen überwucherten Alleen; kein Mensch ist weit und breit zu sehen. Hier soll irgendwo Regisseur Rainer Matsutani  (unter anderem „Nur über meine Leiche“) seinen neuen Film drehen – „Zimmer 205“, einen deutschen Mystery-Horror-Streifen. Nach langem Herumirren findet man schließlich den Drehort – und wird zunächst einmal enttäuscht. Anstatt im Schatten einer der „Geisterhäuser“ zu drehen, finden die Dreharbeiten heute in einem hellen, modernen Gebäude des Komplexes statt. Mithilfe von Plakaten, Kaffeautomaten und vielen jungen Statisten wurde dieses Klinikum jedoch für die Filmszene in die Flure einer Universität verwandelt.

Die Story von „Zimmer 205“ dreht sich um die Erstsemester-Studentin Katrin, die an ihrer Uni schon bald mit unheimlichen Ereignissen konfrontiert wird: Sie findet beunruhigende Videobotschaften ihrer Zimmervorgängerin Annika, die vor einem Jahr spurlos verschwand. Plötzlich fühlt sich Katrin gar nicht mehr so wohl an ihrer neuen Universität, und glaubt sich gar von Annikas Geist verfolgt… Schon erstaunlich, wie man mit Hilfe von ein paar „studentischen“ Plakaten mit Aufschriften wie „Frauen in die Gremien!“ und „Gegen Studiengebühren“ eine universitäre Atmosphäre schaffen kann. Die hellen, sterilen Gänge des Krankenhauses könnten sich nun tatsächlich in jeder x-beliebigen Uni in Deutschland befinden. Emsig wuseln Maskenbildner, Beleuchter, Schauspieler und viele mehr durch die Szenerie, bis es wieder heißt: „Ruhe, Aufnahme!“ Den ruhenden Pol bildet Rainer Matsutani, der sich das gedrehte Material direkt über einen kleinen Bildschirm anschaut.

Bei der deutschen Produktion handelt es sich um ein Remake des dänischen Films „Kollegiet“; laut Regisseur Matsutani orientiert sich „Zimmer 205“ aber nur sehr lose am schwedischen Original: „Wir haben einzelne Motive übernommen, aber uns insgesamt sehr weit vom ursprünglichen Drehbuch entfernt. Ich möchte sagen, unsere Version des Stoffs ist härter, furchteinflößender.“ Und das, obwohl Matsutani sich bisher eher im Bereich derber Komödien („666 – Traue keinem mit dem du schläfst“) und Teenie-Dramen („Gangs“) bewegte – oder doch nicht? „Das stimmt nicht ganz: Meine Abschlussfilme von der Filmhochschule waren beide dem Horrorgenre zuzuordnen. Danach habe ich noch einige Mystery-Thriller fürs TV gedreht. Vor allem mit diesen Fernseh-Produktionen bin ich heute allerdings gar nicht mehr zufrieden; der neue Film soll in eine ganz andere Richtung gehen.“ Konkret heißt das harten, düsteren Grusel, der nicht auf die Prime-Time im Fernsehen, sondern auf die große Leinwand abzielt, durchaus gerne auch mit einigen deftigen Effekten. „Wir machen hier kein Torture-Porn,“ stellt Matsutani klar. „Dennoch wird es die ein oder andere blutige Überraschung geben, das gehört nun mal zum Horror dazu.“

Generell fühlt man sich jedoch eher dem atmosphärischen, stilisierten Grusel verpflichtet, ganz in der Tradition japanischer Geisterfilme à la „The Grudge“. „Als Halb-Japaner habe ich zu diesen Filmen natürlich eine besondere Verbindung. Aber wir wollen ausdrücklich keine bloße Kopie produzieren.“ Auch von diesem Anspruch abgesehen, steht das Projekt als echte Besonderheit in Deutschland da – einem Land, das heutzutage nicht unbedingt als große Horrorfilmschmiede bekannt ist. „Ich gehe so weit zu sagen: Unser Projekt ist in dieser Hinsicht absolut einzigartig! Filme dieser Art werden in Deutschland einfach nicht produziert, und ich bin sehr froh darüber, dass wir so viel Unterstützung für diesen Film erhalten.“ Matsutani grinst zufrieden und macht sich an die Koordination der nächsten Szene. In dieser planen Katrins Kommilitonen eine mysteriöse Verschwörung gegen die Studentin; immer wieder und wieder müssen die „Verschwörer“ um Schauspielerin Marleen Lohse ihre Zeilen wiederholen, bis die Szene im Kasten ist. Auch wenn die Szenen bisher noch wenig verraten, machen sie dennoch dank überzeugender schauspielerischer Leistung Lust auf mehr.

Durchweg prominent ist „Zimmer 205“ vielleicht nicht besetzt, dafür aber mit talentierten und durchaus bekannten, jungen Schauspielern wie Jennifer Ulrich („Die Welle“), André Hennicke (unter anderem Julie Delpys „Die Gräfin“) und Julia Dietze („1 ½ Ritter“). Man darf also gespannt sein, ob der deutsche Horrorfilm mit „Zimmer 205“ ein knallendes Comeback auf der Kinoleinwand feiert oder letztlich doch bloß B-Ware für den TV-Abend bleibt.

>> verfasst von Tim Lindemann

Geschrieben am 25.03.2010 von Torsten Schrader



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